2014 holte sich Emilien Badoux den Gesamtsieg der Freeride World Tour. Heute ist der Schweizer Familienvater, Yoga-Enthusiast und Mentor einer neuen Snowboard-Generation. Im EOFT-Film „La Source du Freeride“ kehrt er gemeinsam mit Freeride-Legende Géraldine Fasnacht und Nachwuchsstar Liam Rivera zum Bec des Rosses zurück. Wir haben Emilien vor der EOFT-Premiere in München getroffen und mit ihm über alte Erfolge, neue Ziele und die Frage gesprochen, warum Snowboarden so viel mehr ist als der nächste Wettkampfsieg.

Emilien, zuerst einmal herzlichen Glückwunsch zum Weltmeistertitel!
Emilien: Danke! Aber das ist doch schon ewig her!
Na ja, 2014 ist zwar eine Weile her, aber Weltmeister wird man schließlich nicht jeden Tag. Und irgendwie bleibt man das doch auch für immer, oder?
Emilien: Ja, das stimmt natürlich. Es war eine besondere Zeit und ein großer Erfolg für mich. Aber seitdem ist auch unglaublich viel passiert. Mein Leben und meine Beziehung zum Snowboarden haben sich weiterentwickelt.
Du kommst ursprünglich aus der Halfpipe und dem Freestyle, bist dann im Freeriden gelandet und hast 2014 die Freeride World Tour gewonnen. Was hat dich damals am Freeriden so begeistert?
Emilien: Ich habe schon immer die unterschiedlichen Seiten des Snowboardens geliebt. Beim Freestyle geht es um Tricks, um Kreativität und darum, was mit dem Board alles möglich ist. Das Freeriden hat noch einmal eine andere Dimension. Du bist in den Bergen unterwegs, musst das Gelände lesen und deine eigene Linie finden. Es ist diese Mischung aus Freiheit, Kreativität und Herausforderung, die mich bis heute begeistert.
Als du 2014 ganz oben standest, hattest du eines der größten Ziele im Freeriden erreicht. Wie ging es danach weiter?
Emilien: Das war tatsächlich gar nicht so einfach. Ich hatte so lange auf dieses Ziel hingearbeitet. Und plötzlich war es geschafft. Da stellst du dir natürlich die Frage: Was mache ich jetzt? Was ist mein nächstes Ziel? Ich musste ein bisschen herausfinden, was mich weiterhin antreibt und welche Rolle das Snowboarden in meinem Leben spielen soll.
Du musstest dich also nach deinem größten Erfolg gewissermaßen neu erfinden?
Emilien: Ja, so kann man das sagen. Ich wollte auf jeden Fall weiter snowboarden. Dafür liebe ich diesen Sport viel zu sehr. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass es nicht immer nur um meine eigenen Wettkämpfe oder Leistungen gehen muss. Ich wollte meine Erfahrungen weitergeben und anderen helfen, ihren eigenen Weg zu finden.

Heute arbeitest du deshalb unter anderem als Coach. War das eine natürliche Entwicklung?
Emilien: Absolut. Ich habe über die Jahre so viel erlebt und gelernt, nicht nur sportlich, sondern auch mental. Es macht mir unglaublich viel Spaß, dieses Wissen weiterzugeben und zu sehen, wie sich junge Rider entwickeln. Wenn jemand, den du begleitet hast, seine eigenen Ziele erreicht, ist das ein tolles Gefühl.




