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Emilien Badoux La Source Du Freeride

Snowboard

EOFT 26: Drei Generationen, ein Berg und die Liebe zum Snowboarden – im Gespräch mit Emilien Badoux

2014 holte sich Emilien Badoux den Gesamtsieg der Freeride World Tour. Heute ist der Schweizer Familienvater, Yoga-Enthusiast und Mentor einer neuen Snowboard-Generation. Im EOFT-Film „La Source du Freeride“ kehrt er gemeinsam mit Freeride-Legende Géraldine Fasnacht und Nachwuchsstar Liam Rivera zum Bec des Rosses zurück. Wir haben Emilien vor der EOFT-Premiere in München getroffen und mit ihm über alte Erfolge, neue Ziele und die Frage gesprochen, warum Snowboarden so viel mehr ist als der nächste Wettkampfsieg.

Emilien Badoux

Emilien, zuerst einmal herzlichen Glückwunsch zum Weltmeistertitel!

Emilien: Danke! Aber das ist doch schon ewig her!

Na ja, 2014 ist zwar eine Weile her, aber Weltmeister wird man schließlich nicht jeden Tag. Und irgendwie bleibt man das doch auch für immer, oder?

Emilien: Ja, das stimmt natürlich. Es war eine besondere Zeit und ein großer Erfolg für mich. Aber seitdem ist auch unglaublich viel passiert. Mein Leben und meine Beziehung zum Snowboarden haben sich weiterentwickelt.

Du kommst ursprünglich aus der Halfpipe und dem Freestyle, bist dann im Freeriden gelandet und hast 2014 die Freeride World Tour gewonnen. Was hat dich damals am Freeriden so begeistert?

Emilien: Ich habe schon immer die unterschiedlichen Seiten des Snowboardens geliebt. Beim Freestyle geht es um Tricks, um Kreativität und darum, was mit dem Board alles möglich ist. Das Freeriden hat noch einmal eine andere Dimension. Du bist in den Bergen unterwegs, musst das Gelände lesen und deine eigene Linie finden. Es ist diese Mischung aus Freiheit, Kreativität und Herausforderung, die mich bis heute begeistert.

Als du 2014 ganz oben standest, hattest du eines der größten Ziele im Freeriden erreicht. Wie ging es danach weiter?

Emilien: Das war tatsächlich gar nicht so einfach. Ich hatte so lange auf dieses Ziel hingearbeitet. Und plötzlich war es geschafft. Da stellst du dir natürlich die Frage: Was mache ich jetzt? Was ist mein nächstes Ziel? Ich musste ein bisschen herausfinden, was mich weiterhin antreibt und welche Rolle das Snowboarden in meinem Leben spielen soll.

Du musstest dich also nach deinem größten Erfolg gewissermaßen neu erfinden?

Emilien: Ja, so kann man das sagen. Ich wollte auf jeden Fall weiter snowboarden. Dafür liebe ich diesen Sport viel zu sehr. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass es nicht immer nur um meine eigenen Wettkämpfe oder Leistungen gehen muss. Ich wollte meine Erfahrungen weitergeben und anderen helfen, ihren eigenen Weg zu finden.

Emilien Badoux La Source Du Freeride

Heute arbeitest du deshalb unter anderem als Coach. War das eine natürliche Entwicklung?

Emilien: Absolut. Ich habe über die Jahre so viel erlebt und gelernt, nicht nur sportlich, sondern auch mental. Es macht mir unglaublich viel Spaß, dieses Wissen weiterzugeben und zu sehen, wie sich junge Rider entwickeln. Wenn jemand, den du begleitet hast, seine eigenen Ziele erreicht, ist das ein tolles Gefühl.

La Source Du Freeride

Drei Generationen am Bec des Rosses

In „La Source du Freeride“ bist du gemeinsam mit Géraldine Fasnacht und Liam Rivera unterwegs. Ihr steht für drei unterschiedliche Generationen des Snowboardens. Wie ist die Idee zu diesem Film entstanden?

Emilien: Géraldine und ich sind schon lange mit Verbier verbunden. Wir kennen diesen Berg Bec des Rosses und haben beide unsere ganz eigenen Geschichten mit ihm. Liam gehört zur jüngeren Generation und bringt wieder eine andere Perspektive mit. Uns ging es darum, gemeinsam auf den Berg zu gehen und zu zeigen, was Freeriden für uns bedeutet, unabhängig von Wettkämpfen und Ergebnissen.

La Source Du Freeride

Und dafür habt ihr euch ausgerechnet den Bec des Rosses ausgesucht. Den Berg, auf dem sich jedes Jahr die besten Freerider der Welt messen.

Emilien: Genau. Der Bec des Rosses ist natürlich ein besonderer Berg, gerade für uns Freerider. Wir kennen ihn aus dem Wettkampf, mit all dem Druck und der Anspannung, die dazugehören. Aber diesmal wollten wir ihn anders erleben. Ohne Jury, ohne Punkte, ohne die Frage, wer am Ende gewinnt.

Stattdessen seid ihr mit dem Splitboard aufgestiegen. Für Liam war das noch relativ neu, oder?

Emilien: Ja, Liam hat seinen Schwerpunkt ganz klar auf dem Wettkampffreeriden. Das Splitboarden war für ihn noch eine recht neue Erfahrung. Aber genau das ist ja das Schöne: Selbst wenn du auf höchstem Niveau snowboardest, gibt es immer wieder neue Dinge zu entdecken und zu lernen.

Liam wurde 2026 Freeride-Weltmeister. Du betreust ihn als Coach. Wie schafft man es, jungen Athleten einerseits den Spaß zu vermitteln und andererseits die Professionalität, die es für solche Erfolge braucht?

Emilien: Das ist tatsächlich eine wichtige Balance. Natürlich musst du professionell arbeiten, wenn du auf diesem Niveau erfolgreich sein möchtest. Du brauchst Training, Disziplin und die richtige mentale Einstellung. Aber du darfst dabei nicht vergessen, warum du überhaupt mit dem Snowboarden angefangen hast.

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Also auch einfach mal fahren, ohne an Punkte, Rankings oder den nächsten Contest zu denken?

Emilien: Genau. Snowboarden soll Spaß machen. Es geht um dieses Gefühl, draußen in den Bergen zu sein, mit Freunden unterwegs zu sein und eine schöne Line zu fahren. Gleichzeitig muss ein Profi wissen, wann es darauf ankommt, konzentriert zu arbeiten und seine Leistung abzurufen. Beides gehört für mich zusammen.

Ist das auch die Botschaft, die ihr mit dem Film vermitteln wollt?

Emilien: Ja. Wir möchten zeigen, dass Freeriden viel mehr ist als der Wettkampf. Der Weg auf den Berg, die Natur, die gemeinsame Erfahrung und die Freude am Snowboarden sind genauso wichtig wie die Abfahrt selbst. Vielleicht sogar noch wichtiger.

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„Snowboarden muss sich weiterentwickeln“

Du hast die Entwicklung des Snowboardens über viele Jahre miterlebt. Heute sehen wir bei Olympia immer spektakulärere Tricks, höhere Sprünge und ein enormes sportliches Niveau. Ist dir das manchmal schon zu extrem?

Emilien: Nein, eigentlich finde ich diese Entwicklung gut. Ein Sport muss sich weiterentwickeln. Natürlich sieht Snowboarden heute anders aus als vor 20 oder 30 Jahren. Die Tricks werden immer verrückter, die Athleten werden besser und die Möglichkeiten wachsen. Aber das gehört dazu.

Du hast also keine Angst, dass durch immer mehr Professionalisierung etwas von der ursprünglichen Snowboard-Kultur verloren geht?

Emilien: Man muss natürlich aufpassen, dass der Spaß und die Leidenschaft nicht verloren gehen. Aber Stillstand wäre aus meiner Sicht auch keine gute Lösung. Wenn sich ein Sport nicht weiterentwickelt, verliert er irgendwann an Bedeutung. Ich finde es schön, dass Snowboarden heute so viele unterschiedliche Facetten hat, vom olympischen Wettkampf bis zum entspannten Tag im Powder.

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Das klingt fast nach einem Spagat zwischen der alten Snowboard-Generation und den jungen Athleten.

Emilien: Vielleicht. Aber ich sehe darin keinen Widerspruch. Wir können unglaublich viel voneinander lernen. Die junge Generation bringt neue Tricks, neue Ideen und viel Energie mit. Und wir Älteren können unsere Erfahrungen teilen. Das funktioniert besonders gut, wenn beide Seiten offen dafür sind.


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Du bist mittlerweile über 40, hast Familie und bist trotzdem weiterhin professionell im Snowboarden unterwegs. Hat sich auch die Industrie in dieser Hinsicht verändert?

Emilien: Auf jeden Fall. Früher war es viel schwieriger, nach der aktiven Wettkampfkarriere weiterhin Unterstützung zu bekommen. Heute erkennen Marken und Partner stärker, dass Erfahrung, Persönlichkeit und Wissen ebenfalls wertvoll sind. Man muss nicht unbedingt jedes Wochenende auf einem Podium stehen, um etwas zum Sport beitragen zu können.

Gerade für Menschen wie dich oder Géraldine Fasnacht ist das natürlich eine schöne Entwicklung.

Emilien: Absolut. Wir leben diesen Sport seit vielen Jahren und sind immer noch mit großer Leidenschaft dabei. Es ist schön, wenn man die Möglichkeit bekommt, weiterhin Projekte umzusetzen und seine Erfahrungen weiterzugeben.

Ihr engagiert euch auch für die Förderung junger Freerider in der Schweiz. Warum ist euch das wichtig?

Emilien: Wir möchten jungen Snowboardern helfen, ihren Weg zu finden. Gerade im Freeriden gibt es nicht überall die gleichen Strukturen wie in anderen Sportarten. Deshalb versuchen wir, mit unserer Erfahrung und unserem Netzwerk etwas aufzubauen und die nächste Generation zu unterstützen.

La Source Du Freeride

Du wohnst in Verbier und bist dem Ort schon lange verbunden. Du hast aber auch eine Zeit lang in Chamonix gelebt. Warum bist du schließlich in Verbier geblieben?

Emilien: Chamonix ist natürlich ein unglaublicher Ort, gerade für Menschen, die gerne in den Bergen unterwegs sind. Aber mir persönlich war es dort irgendwann etwas zu extrem. In Verbier fühle ich mich einfach wohl. Ich habe hier die Berge direkt vor der Tür, kann snowboarden und habe gleichzeitig ein Umfeld, das gut zu meinem Leben passt.

Und mit dem Bec des Rosses liegt einer der berühmtesten Freeride-Berge praktisch vor deiner Haustür.

Emilien: Ja, das ist natürlich etwas Besonderes. Aber auch nach so vielen Jahren gibt es hier immer wieder etwas Neues zu entdecken. Die Berge verändern sich ständig, die Bedingungen sind nie gleich. Und genau das macht es spannend.

Neben dem Snowboarden praktizierst du seit rund 20 Jahren Yoga. Das klingt erst einmal nach einem ziemlichen Kontrast zum extremen Freeriden.

Emilien: Für mich passt das eigentlich sehr gut zusammen. Yoga begleitet mich schon sehr lange und hilft mir, körperlich und mental im Gleichgewicht zu bleiben. Gerade beim Snowboarden brauchst du Konzentration, Körpergefühl und die Fähigkeit, mit schwierigen Situationen ruhig umzugehen.

Hilft dir das auch bei deiner Arbeit mit jungen Athleten?

Emilien: Auf jeden Fall. Mentale Stärke ist im Wettkampf extrem wichtig. Du kannst körperlich noch so gut vorbereitet sein, aber wenn du im entscheidenden Moment nicht fokussiert bist, wird es schwierig. Yoga ist für mich eine Möglichkeit, genau daran zu arbeiten.


La Source Du Freeride

Wenn du heute mit Géraldine und Liam am Bec des Rosses unterwegs bist, ohne Wettkampfdruck und ohne Jury, was bedeutet dir dieser Moment?

Emilien: Das erinnert mich daran, warum ich mit dem Snowboarden angefangen habe. Es geht darum, mit Freunden draußen zu sein, die Berge zu erleben und gemeinsam Spaß zu haben. Wir haben alle unsere Wettkämpfe und Erfolge erlebt, aber am Ende verbindet uns genau diese Leidenschaft.

Und was würdest du einem jungen Snowboarder mitgeben, der davon träumt, irgendwann selbst Weltmeister zu werden?

Emilien: Natürlich soll er große Ziele haben und hart dafür arbeiten. Aber er sollte dabei nie vergessen, das Snowboarden zu genießen. Ein Titel ist etwas Besonderes, aber es gibt so viel mehr, was diesen Sport ausmacht.

Und wenn er dann irgendwann Weltmeister ist, bleibt er das ja sowieso für immer.

Emilien: (lacht) Ja, da hast du wohl recht!

La Source Du Freeride

„La Source du Freeride“ auf der EOFT 2026/27

Drei Snowboard-Generationen, ein legendärer Berg und die gemeinsame Leidenschaft für den Freeride-Sport: Der Film „La Source du Freeride“ begleitet Emilien Badoux, Géraldine Fasnacht und Liam Rivera bei einer Splitboard-Tour auf den 3.223 Meter hohen Bec des Rosses bei Verbier.

Statt um Rankings und Wettkampfpunkte geht es diesmal um die ursprüngliche Idee des Snowboardens: Freiheit, Gemeinschaft und die Freude, gemeinsam in den Bergen unterwegs zu sein.

Der rund acht- bis zehnminütige Film von Regisseur Thibaut Louvrier ist Teil des aktuellen Programms der European Outdoor Film Tour 2026/27.

Tourtermine und Tickets:


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