Sie sitzt uns mit einem breiten Lächeln gegenüber, erzählt ganz entspannt von tagelangen Kletterabenteuern, gewaltigen Felswänden und einem unfreiwilligen Ausflug durch den Dschungel. Als wäre das alles das Normalste der Welt. Dabei gehört die US-Amerikanerin Sasha DiGiulian zu den erfolgreichsten Kletterinnen ihrer Generation. Für den EOFT-Film „Bravo Les Filles“ ist sie gemeinsam mit ihrer mexikanischen Kletterpartnerin Mariana „Mango“ Ordoñez nach Madagaskar gereist, um ein unvollendetes Kapitel der Klettergeschichte zu Ende zu schreiben. Wir haben Sasha im Rahmen der EOFT 2026 getroffen und mit ihr über Lynn Hill, außergewöhnliche Freundschaften und mentale Stärke gesprochen.

„Lynn Hill hat mir von dieser Route erzählt“
Sasha, hinter eurem Film „Bravo Les Filles“ steckt eine ziemlich besondere Geschichte. Wie bist du überhaupt auf diese Felswand in Madagaskar aufmerksam geworden?
Sasha: Die Idee kam tatsächlich durch Lynn Hill. Wir leben mittlerweile in Colorado in der Nachbarschaft und waren gemeinsam klettern. Dabei hat sie mir von einer Expedition erzählt, die sie 1999 mit drei anderen Kletterinnen nach Madagaskar unternommen hatte. Damals haben sie dort eine Route eröffnet, die sie „Bravo Les Filles“ nannten. Das Besondere war, dass es ein reines Frauenteam war. Aber sie konnten damals nicht alle Seillängen frei klettern. Irgendwann meinte Lynn zu mir, dass ich doch zurückgehen und die Geschichte zu Ende bringen könnte.
Und da war für dich sofort klar: Das mache ich?
Sasha: Ich fand die Geschichte unglaublich inspirierend. Lynn ist eine echte Pionierin unseres Sports. Die Vorstellung, eine Route zu klettern, die sie und ihre Freundinnen vor so vielen Jahren erschlossen hatten, war schon etwas Besonderes. Es ging dabei nicht nur um eine sportlich schwierige Route, sondern auch darum, an etwas anzuknüpfen, das eine andere Generation von Kletterinnen begonnen hatte.
1999 waren neben Lynn Hill auch Nancy Feagin, Beth Rodden und Kath Pike dabei. Was war damals das Problem?
Sasha: Sie hatten die Route erfolgreich erschlossen, konnten aber nicht alle Passagen frei klettern. Vor allem die schwierige Schlüsselstelle war noch offen. Genau das wollten wir ändern und die gesamte Route als Frauenseilschaft frei durchsteigen.

Mit der richtigen Partnerin nach Madagaskar
Du hast dir dafür Mariana „Mango“ Ordoñez an deine Seite geholt. Wie kam es zu dieser Kombination?
Sasha: Mango und ich kennen uns schon von früheren Kletterreisen. Wir waren gemeinsam auf mehreren Trips und funktionieren als Team einfach richtig gut. Wenn man viel zusammen unterwegs ist, wächst natürlich das gegenseitige Vertrauen. Und das ist bei so einem Projekt extrem wichtig.
Beim Klettern hängt schließlich nicht nur der Erfolg, sondern manchmal auch das eigene Leben vom anderen ab.
Sasha: Genau. Du musst dich wirklich aufeinander verlassen können. Das geht weit über die eigentliche Kletterei hinaus. Man verbringt wahnsinnig viel Zeit zusammen, erlebt gute und schlechte Momente und lernt dabei auch, wie der andere mit schwierigen Situationen umgeht. Solche Erlebnisse schweißen unglaublich zusammen.



