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Six Days to the Edge

Interviews

EOFT 2026: Six Days to the Edge – Im Interview mit Slackine Profis Lukas Irmler und Antonia Ruede-Passul

Sechs Freunde, sechs Tage und ein 17 Jahre alter Traum

Lukas Irmler träumte 17 Jahre davon, eine Highline über den Angel Falls in Venezuela zu spannen. Gemeinsam mit seiner Partnerin Antonia Ruede-Passul und vier Freunden machte er sich schließlich auf den Weg durch den Dschungel. Was folgte, waren sechs Tage voller Strapazen, eine Landschaft wie aus „Avatar“ und ein gemeinsamer Erfolg in schwindelerregender Höhe.

Wir haben die beiden im Rahmen der EOFT 2026 getroffen und über ihr Abenteuer, das Leben als Slackline-Paar und ziemlich ungewöhnliche Weltrekorde gesprochen.

Lukas Irmler SixDaysToTheEdge

„Es ging nie nur um mich, sondern um uns alle“

Euer Film heißt „Six Days to the Edge“. Warum genau dieser Titel? 

Lukas: Uns war vor allem wichtig, dass der Film nicht nur mich und meine persönliche Leistung zeigt. Wir waren sechs Freunde, die sich gemeinsam auf dieses Abenteuer eingelassen haben. Jeder hatte seine Rolle und jeder hat seinen Teil dazu beigetragen, dass wir es am Ende geschafft haben. Und das Besondere ist: Wir haben tatsächlich alle sechs die Highline überquert. Das war für uns ein riesiger gemeinsamer Erfolg.

Also keine klassische Geschichte von einem Extremsportler, der allein einen Rekord aufstellt?

Lukas: Genau. Natürlich hatte ich diesen Traum schon wahnsinnig lange, aber so eine Expedition kannst du nicht alleine stemmen. Du brauchst Menschen, denen du vertraust und die genauso für die Idee brennen. Dass am Ende wirklich alle sechs auf dieser Line standen und sie geschafft haben, war für mich fast das Schönste am ganzen Projekt.

Und die sechs Tage beziehen sich auf den Weg dorthin?

Lukas: Ja, wir waren sechs Tage unterwegs, um überhaupt zu unserem Ziel zu gelangen. Da ging es durch unterschiedlichstes Gelände, durch Flüsse, Schlamm und dichten Dschungel. Das eigentliche Highlinen war fast nur der krönende Abschluss einer ziemlich intensiven Reise.

Lukas Irmler SixDaysToTheEdge

Ein Traum, der 17 Jahre warten musste

Lukas, du wolltest schon seit 17 Jahren eine Highline über den Angel Falls in Venezuela spannen. Wie kommt man auf so eine Idee?

Lukas: Mich hat dieser Ort schon unglaublich lange fasziniert. Die Angel Falls sind einfach eine unfassbare Kulisse. Die Vorstellung, dort eine Highline zu spannen und über diesem riesigen Abgrund zu balancieren, hat mich nie losgelassen. Aber so etwas ist natürlich nicht mal eben organisiert. Du brauchst ein Team, die richtige Ausrüstung, die passenden Bedingungen und vor allem die Möglichkeit, überhaupt dorthin zu gelangen.

Und irgendwann hat sich diese Gelegenheit dann ergeben?

Lukas: Genau. Antonia und ich waren ohnehin auf einem Roadtrip durch Venezuela unterwegs. Wir sind mit dem Camper durch das Land gereist und irgendwann wurde aus der alten Idee ein konkreter Plan. Wir haben angefangen, Leute zusammenzubringen und zu überlegen, wie wir das Ganze umsetzen können.

Lukas Irmler SixDaysToTheEdge

Moment mal, ihr seid also nicht nur gemeinsam auf Expedition, sondern auch privat ein Paar?

Antonia: Ja, genau. Wir sind auch privat zusammen und teilen mittlerweile ziemlich viele Abenteuer. Das Slacklinen spielt in unserem Leben natürlich eine große Rolle.

Lukas Irmler SixDaysToTheEdge

Venezuela: Mehr als die Bilder aus den Nachrichten

Venezuela ist nicht unbedingt das erste Reiseziel, an das man bei einem entspannten Roadtrip denkt. Hattet ihr vorher Bedenken?

Lukas: Natürlich haben wir uns Gedanken gemacht. Wenn man sich anschaut, wie Venezuela oder auch andere Länder in dieser Region häufig in den Medien dargestellt werden, bekommt man schnell den Eindruck, dass es dort vor allem gefährlich ist. Das hat uns anfangs schon beschäftigt. Gleichzeitig wollten wir uns aber selbst ein Bild machen.

Und wie waren eure Erfahrungen vor Ort?

Antonia: Für uns war die Reise unglaublich bereichernd. Wir haben tolle Menschen kennengelernt und sehr viel Positives erlebt. Gerade die Natur und die Begegnungen mit den Menschen sind uns in Erinnerung geblieben. Natürlich muss man sich gut informieren und vorbereiten, aber es ist eben auch wichtig, nicht nur die Bilder aus den Nachrichten im Kopf zu haben.

Ihr hattet bei der Expedition auch Unterstützung von Menschen aus der Region, oder?

Lukas: Ja, ohne die Hilfe vor Ort wäre das Ganze kaum möglich gewesen. Wir haben mit lokalen Guides und Helfern aus der indigenen Bevölkerung zusammengearbeitet, die uns beim Transport der Ausrüstung und der Versorgung unterstützt haben. Das war extrem wertvoll, denn wir hatten ja einiges an Material dabei und der Weg war alles andere als einfach.

Lukas Irmler SixDaysToTheEdge

Sechs Tage durch den Dschungel

Im Film spielt die Anreise eine große Rolle. War der Weg zur Highline am Ende fast schwieriger als das Balancieren selbst?

Lukas: Das kann man tatsächlich so sagen. Natürlich ist eine Highline in dieser Höhe eine enorme Herausforderung. Aber wir mussten erst einmal überhaupt dorthin kommen. Sechs Tage durch den Dschungel zu laufen, mit schwerer Ausrüstung, schlechtem Wetter, Schlamm und ständig nassen Füßen, das zehrt schon ziemlich an den Kräften.

Klingt nicht gerade nach Urlaub.

Lukas: Nein, wirklich nicht. (lacht) Es gab Momente, in denen es einfach nur anstrengend war. Du bist den ganzen Tag unterwegs, kommst nur langsam voran und weißt, dass du am nächsten Morgen wieder weiter musst. Dazu das Wetter und die schwierigen Bedingungen. Aber wir hatten dieses gemeinsame Ziel vor Augen.

Antonia, was war für dich der beeindruckendste Moment der Expedition?

Antonia: Ganz klar die Landschaft, als wir endlich dort oben angekommen sind. Das ist wirklich wie eine andere Welt. Man läuft tagelang durch den Dschungel und plötzlich steht man in dieser unfassbaren Landschaft mit riesigen Felsformationen und Wasserfällen. Das ist ein bisschen wie „Avatar in echt“. Man kann sich vorher kaum vorstellen, dass es so einen Ort tatsächlich gibt.

Lukas Irmler SixDaysToTheEdge

Der Auyán-Tepui ist immerhin 2.450 Meter hoch. War euch bewusst, was euch dort oben erwartet?

Antonia: Man sieht vorher natürlich Bilder und beschäftigt sich mit dem Ort. Aber wenn man dann wirklich dort steht, ist das noch einmal etwas ganz anderes. Diese Dimensionen und die ganze Umgebung sind schwer zu beschreiben. Gerade nach dem langen Weg dorthin war das ein unglaublich emotionaler Moment.

Jetzt steht ihr endlich an der Kante. Aber wie bekommt man überhaupt eine Highline auf die andere Seite einer solchen Schlucht?

Lukas: Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Bei manchen Projekten arbeitet man zum Beispiel mit einer Drohne, um zunächst eine dünne Leine auf die andere Seite zu bringen. Manchmal kommen auch Pfeil und Bogen zum Einsatz. Es gibt da unterschiedliche Techniken, je nachdem, wie das Gelände aussieht.

Und wie habt ihr es bei den Angel Falls gemacht?

Lukas: Bei uns war die Situation so, dass wir die andere Seite auch auf dem Landweg erreichen konnten. Wir sind also auf die andere Seite gegangen und haben die Verbindung für die Highline entsprechend hinübergebracht. Danach ging es darum, die Line richtig aufzubauen und zu spannen. Das dauert natürlich seine Zeit, gerade bei so einem außergewöhnlichen Ort.

Ihr wart also nach den sechs Tagen Anmarsch noch lange nicht fertig?

Lukas: Nein, überhaupt nicht. Danach kam ja erst der ganze Aufbau. Wir mussten das Material an die richtigen Stellen bringen, alles vorbereiten und die Line installieren. Das war noch einmal ein ordentliches Stück Arbeit.

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Ein Weltrekord, den sich sechs Freunde teilen

Lukas, du hast in deiner Karriere schon zahlreiche Rekorde aufgestellt. War dieser Erfolg trotzdem etwas Besonderes?

Lukas: Absolut. Natürlich sind Weltrekorde etwas Tolles und es ist immer schön, wenn man sportlich eine neue Bestmarke erreicht. Aber bei diesem Projekt ging es für mich um viel mehr. Ich hatte 17 Jahre lang davon geträumt, an diesem Ort eine Highline zu spannen. Dass es dann tatsächlich geklappt hat und wir alle sechs sie überqueren konnten, war einfach unglaublich.

Antonia, auch für dich war die Begehung ein besonderer sportlicher Erfolg. Was ging dir durch den Kopf, als du auf der Line standest?

Antonia: In so einem Moment musst du natürlich extrem fokussiert sein. Du kannst nicht ständig darüber nachdenken, wie tief es unter dir nach unten geht oder wie spektakulär die Umgebung ist. Du musst dich ganz auf die Line und deine Bewegungen konzentrieren. Aber wenn du dann drüben ankommst und realisierst, wo du gerade gelaufen bist, ist das schon ein unbeschreibliches Gefühl.

Und wenn dann auch noch der Letzte aus der Gruppe die andere Seite erreicht hat?

Lukas: Das war ein großartiger Moment. Dass wirklich jeder von uns erfolgreich war, hat das Ganze erst richtig rund gemacht. Schließlich war es von Anfang an ein gemeinsames Projekt.


Lukas Irmler SixDaysToTheEdge

Vom Projektmanagement zum Leben auf der Slackline

Antonia, du warst früher als Projektmanagerin tätig und hast deinen Job aufgegeben, um dich ganz dem Slacklinen zu widmen. Das ist schon ein ziemlicher Schritt, oder?

Antonia: Ja, definitiv. Ich bin durch Lukas intensiver zum Slacklinen gekommen und mit der Zeit ist dieser Sport zu einem immer größeren Teil meines Lebens geworden. Letztes Jahr habe ich dann beschlossen, meinen bisherigen Job aufzugeben und mich ganz darauf zu konzentrieren. Das war natürlich eine große Veränderung, aber auch eine bewusste Entscheidung.

Lukas Irmler SixDaysToTheEdge

Lukas, du gibst ja auch Coachings und hältst Vorträge. Ist das mittlerweile euer Alltag zwischen den Expeditionen?

Lukas: Ja, das gehört auf jeden Fall dazu. Wir möchten Menschen auch für das Slacklinen begeistern und unsere Erfahrungen weitergeben. Dabei geht es nicht immer nur um Rekorde oder extreme Projekte. Slacklinen hat auch sehr viel mit Konzentration, Balance und mentaler Stärke zu tun. Das sind Dinge, die man auch in andere Lebensbereiche übertragen kann.

Lukas, zum Schluss müssen wir noch über einen deiner etwas ungewöhnlicheren Rekorde sprechen. Du hast 2012 einen Guinness-Weltrekord im Korean Butt Bounce aufgestellt. Was um alles in der Welt ist das?

Lukas: (lacht) Das ist tatsächlich ein Trick aus dem Tricklinen. Dabei springst du auf der Slackline, landest mit dem Hintern auf dem Band und lässt dich durch die Spannung wieder nach oben katapultieren.

Nach Weltrekorden und einer Highline über den Angel Falls: Was kommt als Nächstes?

Lukas: Es gibt natürlich immer neue Ideen und Orte, die uns reizen und wir sind gerade von erst zurück von einer anderen Expedition. Aber dieses Projekt war schon etwas ganz Besonderes. Manchmal lohnt es sich eben auch, 17 Jahre an einem Traum festzuhalten.

Lukas Irmler SixDaysToTheEdge

Six Days to the Edge auf der EOFT 2026/27

Sechs Freunde, ein gemeinsames Ziel und eine Highline über einem der spektakulärsten Wasserfälle der Welt: Der Film „Six Days to the Edge“ von Regisseur Valentin Rapp begleitet Lukas Irmler, Antonia Ruede-Passul und ihre Crew auf der Expedition zum Auyán-Tepui in Venezuela.

Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die sportliche Leistung in rund 1.000 Metern Höhe, sondern vor allem der beschwerliche Weg dorthin. Der Film ist Teil des aktuellen Programms der European Outdoor Film Tour 2026/27 und kann auf der Tour auf großer Leinwand erlebt werden.

Tourtermine und Tickets:


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