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Wetsuit Upcycling

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Wetsuit Upcycling: So bekommt dein alter Neoprenanzug ein zweites Leben

Ein alter Wetsuit muss nicht zwangsläufig im Müll landen. Selbst wenn Nähte, Knie oder einzelne Panels nach vielen Jahren im Wasser durch sind, steckt in dem Material oft noch erstaunlich viel Potenzial. Bei einem Workshop während der Patagonia Worn Wear Tour haben wir ausprobiert, was sich daraus machen lässt. Das Ergebnis: Getränkekühler und Brillenetuis, jede Menge Spaß und vor allem die Erkenntnis, dass Wetsuit Upcycling erstaunlich einfach sein kann.

Irgendwann hat jede Outdoor Ausrüstung ausgedient. Die Regenjacke ist nicht mehr dicht, die Wanderschuhe verlieren ihre Sohle und beim alten Neoprenanzug kommt irgendwann mehr Wasser hinein, als einem lieb ist.

Die naheliegende Reaktion: weg damit.

Doch gerade bei einem Wetsuit lohnt es sich, vorher noch einmal genauer hinzuschauen. Denn selbst wenn er seine eigentliche Aufgabe nicht mehr erfüllt, ist ein großer Teil des Materials häufig noch vollkommen brauchbar.

Wetsuit Upcycling

Warum also nicht etwas Neues daraus machen?

Genau das haben wir während der Patagonia Worn Wear Tour ausprobiert. Neben der Reparatur von Outdoor Bekleidung und Wetsuits ging es bei unserem Workshop darum, aus ausrangiertem Neopren neue Gebrauchsgegenstände herzustellen.

Wir haben uns für Getränkekühler und Brillenetuis entschieden.

Was zunächst ein bisschen nach Bastelnachmittag klang, hat überraschend viel Spaß gemacht. Und spätestens danach war klar: Das waren vermutlich nicht unsere letzten Projekte aus einem alten Wetsuit.

Wetsuit Upcycling

Reparieren kommt vor Upcycling

Bevor die Schere zum Einsatz kommt, sollte allerdings eine andere Frage geklärt werden: Ist der Wetsuit wirklich nicht mehr zu retten?

Ein kleines Loch oder eine aufgegangene Naht bedeuten noch lange nicht das Ende eines Neoprenanzugs. Viele Schäden lassen sich kleben oder nähen, teilweise können auch Reißverschlüsse und größere beschädigte Bereiche professionell repariert werden.

patagonia wetsuit repair

Genau hier setzt auch das Worn Wear Konzept von Patagonia an. Produkte sollen möglichst lange verwendet und repariert werden, bevor über Recycling oder eine andere Verwertung nachgedacht wird.

Das ergibt auch beim Wetsuit Sinn.

Solange der Neo noch funktioniert, sollte er möglichst im Wasser bleiben. Passt er nicht mehr, ist aber noch brauchbar, kann man ihn weitergeben oder verkaufen. Kleine Schäden lassen sich häufig reparieren.

Upcycling beginnt für uns dort, wo die ursprüngliche Nutzung wirklich nicht mehr sinnvoll ist.

Dann allerdings wird ein alter Wetsuit zu ziemlich spannendem Ausgangsmaterial.

Wetsuit Upcycling

Warum Wetsuit Material perfekt für DIY Projekte ist

Wer schon einmal Neopren in der Hand hatte, kennt die Eigenschaften: Das Material ist weich, elastisch, isolierend und bietet je nach Stärke eine erstaunlich gute Polsterung.

Was uns beim Surfen oder Schwimmen warm hält, kann deshalb auch empfindliche Gegenstände schützen.

Aus einem alten Winterwetsuit lässt sich beispielsweise eine gepolsterte Laptop Hülle herstellen. Kleinere Materialreste eignen sich für Brillen, Elektronik oder Outdoor Zubehör. Und weil sich das Material mit einer guten Schere relativ einfach bearbeiten lässt, braucht es für die ersten Projekte keine voll ausgestattete Werkstatt.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt.

Wetsuits sind in Sachen Recycling kein besonders unkompliziertes Produkt. Je nach Modell kommen unterschiedliche Schäume, textile Außenmaterialien, Innenfutter, Klebstoffe, Nähte, Reißverschlüsse und weitere Komponenten zusammen. Solche Materialmischungen erschweren eine sortenreine Wiederverwertung.

Umso sinnvoller kann es sein, noch brauchbare Teile zunächst weiterzuverwenden.

Das löst natürlich nicht grundsätzlich das Recyclingproblem von Wetsuits. Es verlängert aber die Nutzungsdauer eines Materials, das ohnehin bereits produziert wurde.

Und nebenbei entsteht etwas, das man tatsächlich gebrauchen kann.

Wetsuit Upcycling

Vom Getränkekühler bis zur Laptoptasche

Was lässt sich also aus einem ausrangierten Wetsuit herstellen?

Erstaunlich viel.

Für unseren ersten Versuch haben wir uns für einen Getränkekühler aus Neopren entschieden. Das Projekt ist simpel und ideal, um ein Gefühl für das Material zu bekommen. Das Neopren wird zugeschnitten, zusammengenäht und isoliert anschließend Dose oder Flasche.

Wetsuit Upcycling

Noch praktischer fanden wir unser zweites Projekt: ein Brillenetui.

Zwei Stücke Wetsuit Material, ein paar Nähte und fertig ist eine weiche Hülle für die Sonnenbrille. Gerade für Rucksack, Van oder Campingbox ziemlich praktisch.

Wer danach Blut geleckt hat, kann deutlich größer denken.

7 Ideen für deinen alten Wetsuit

Brillenetui: Eines der einfachsten Projekte. Zwei passende Stücke ausschneiden, zusammennähen und oben eine Öffnung lassen.

Getränkekühler: Ebenfalls perfekt für Einsteiger. Durch seine isolierenden Eigenschaften eignet sich das Material hervorragend als Hülle für Dosen oder Flaschen.

Laptop oder Tablet Sleeve: Hierfür eignen sich vor allem größere, noch gut erhaltene Bereiche an Brust oder Rücken. Ein etwas dickerer Winterwetsuit liefert direkt die passende Polsterung mit.

Kulturbeutel: Mit einem Reißverschluss wird das Projekt etwas anspruchsvoller. Dafür bekommt man eine robuste Tasche für Reisen und Camping.

Schlampermäppchen: Die einfachere und kleinere Variante. Funktioniert für Stifte genauso wie für Ladekabel, Werkzeug oder anderen Kleinkram.

Finnenbeutel: Besonders für Surfer praktisch, das Prinzip lässt sich aber problemlos auf andere empfindliche Outdoor Ausrüstung übertragen. Neopren schützt vor Kratzern und verhindert, dass harte Kanten andere Ausrüstung im Gepäck beschädigen.

Kleine Organizer und Taschen: Von Kamera Zubehör über Powerbanks bis zum Reparaturset lässt sich eigentlich alles verpacken, was ungefähr in die vorhandenen Wetsuit Panels passt.

Und dann sind da natürlich noch die eigenen Ideen.

Denn sobald man anfängt, einen alten Wetsuit nicht mehr als Kleidungsstück, sondern einfach als verfügbares Material zu betrachten, werden die Möglichkeiten ziemlich groß.


Wetsuit Upcycling

Was braucht man für Wetsuit Upcycling?

Erfreulich wenig.

Für die ersten Projekte reichen ein alter und sauberer Wetsuit, ein Schnittmuster, ein Marker oder Stift, eine scharfe Schere, eine stabile Nadel und festes Garn.

Eine Nähmaschine kann für größere Projekte praktisch sein, ist aber für einfache Etuis und Hüllen nicht zwingend erforderlich.

Was wir nach unserem Workshop allerdings ausdrücklich ergänzen würden:

Besorgt euch einen Fingerhut.

Mehrere Millimeter Wetsuit Material können einer Nadel erstaunlich viel Widerstand entgegensetzen. Spätestens nachdem man die Nadel zum fünften Mal mit dem Finger durch das Material gedrückt hat, versteht man, warum dieses unscheinbare kleine Ding seit Ewigkeiten existiert.

Schnittmuster zuerst, Schere danach!

HIER ein Schnittmuster für den Stubby Holder
HIER ein Schnittmuster für ein das Brillenetui

Auch wenn Wetsuit Upcycling ziemlich unkompliziert ist, sollte man nicht sofort drauflosschneiden.

Vor allem größere, noch gut erhaltene Flächen sind wertvoll.

Deshalb zuerst überlegen, was entstehen soll. Danach ein Schnittmuster aus Papier oder Karton anfertigen und auf dem Wetsuit platzieren.

So erkennt man schnell, welche Bereiche sich eignen und wie viel Material tatsächlich benötigt wird.

Für einfache Etuis reichen Rechtecke. Bei einem Laptop Sleeve könnt ihr den Laptop als Grundlage nehmen und rundherum ausreichend Platz für Materialstärke und Naht einplanen.

Für komplexere Taschen lohnt sich ein richtiges Schnittmuster.

Und noch ein Tipp: zweimal messen, einmal schneiden.

Bei Holzarbeiten klingt dieser Satz ziemlich abgedroschen. Bei einem alten Wetsuit mit nur einem großen brauchbaren Rückenpanel ergibt er plötzlich sehr viel Sinn.

Wetsuit Upcycling

Die Eigenheiten des Wetsuits werden zum Design

Ein besonders schöner Aspekt beim Upcycling ist, dass das Ausgangsmaterial seine Geschichte behalten darf.

Das Markenlogo auf der Brust muss nicht verschwinden. Eine farbige Seitenbahn kann zum Designelement werden. Unterschiedliche Innenfutter können bewusst kombiniert werden.

Auch vorhandene Nähte müssen nicht zwangsläufig herausgeschnitten werden.

Im Gegenteil: Gerade diese Details sorgen dafür, dass das fertige Produkt nicht aussieht wie irgendeine neu gekaufte Tasche.

Vielleicht wird aus dem alten Wetsuit vom letzten Portugal Trip ein Brillenetui. Aus dem Ärmel entsteht ein Getränkekühler. Das große Rückenpanel schützt künftig den Laptop.

Das Ergebnis muss dabei nicht perfekt sein.

Ein bisschen schief genäht gehört beim ersten Versuch wahrscheinlich dazu.

Wetsuit Upcycling

Erst die kleinen Projekte

Wer noch nie mit Neopren gearbeitet hat, sollte nicht gleich mit einem Kulturbeutel inklusive Reißverschluss und drei Innenfächern beginnen.

Ein Brillenetui oder Getränkekühler ist für den Einstieg wesentlich entspannter.

Dabei lernt man schnell, wie sich das Material verhält, wie viel Kraft beim Nähen notwendig ist und welche Abstände zwischen den Stichen funktionieren.

Danach kann man sich langsam steigern.

Schlampermäppchen, Finnenbeutel und Laptop Sleeves sind ein guter nächster Schritt. Reißverschlüsse, Klettverschlüsse, Tragegurte und mehrere Materiallagen machen spätere Projekte anspruchsvoller.

Genau darin liegt aber auch ein Teil des Spaßes.


Wetsuit Upcycling

Alte Ausrüstung anders betrachten

Vielleicht war das die wichtigste Erkenntnis aus unserem Workshop.

Wir betrachten kaputte Outdoor Ausrüstung sehr schnell als Abfall. Dabei besteht ein defektes Produkt häufig aus ziemlich viel Material, das überhaupt nicht defekt ist.

Beim Wetsuit wird das besonders deutlich.

Vielleicht ist das Knie komplett durch. Vielleicht löst sich eine Naht am Bein. Vielleicht ist der Neo mittlerweile so ausgeleiert, dass man darin keine kalte Session mehr verbringen möchte.

Das bedeutet aber nicht automatisch, dass auch das Rückenpanel, die Ärmel oder das Innenfutter wertlos geworden sind.

Upcycling verändert deshalb ein Stück weit den Blick auf ausgediente Ausrüstung.

Die Frage lautet nicht mehr nur: Kann ich das noch benutzen?

Sondern auch: Was davon kann ich noch benutzen?

Wetsuit Upcycling

Kein Ersatz für Reparatur und Recycling

Dabei sollte man Upcycling nicht größer machen, als es ist.

Aus einem alten Wetsuit einen Kulturbeutel zu nähen löst nicht die grundsätzlichen Umweltprobleme der Outdoor Industrie. Und wer jedes Jahr einen neuen Wetsuit kauft, produziert nicht plötzlich nachhaltigeren Konsum, nur weil aus dem alten Modell anschließend drei Brillenetuis entstehen.

Die sinnvollste Ausrüstung ist in vielen Fällen immer noch die, die möglichst lange genutzt wird.

Deshalb bleibt die Reihenfolge entscheidend:

pflegen, reparieren, weiterverwenden, weitergeben und erst danach upcyceln.

Wenn die ursprüngliche Nutzung wirklich nicht mehr möglich ist, kann Upcycling aber eine erstaunlich einfache Möglichkeit sein, zumindest Teile des Materials weiterzuverwenden.

Wetsuit Upcycling

Unser Fazit: Der alte Neo kann noch einiges

Unser Besuch beim Patagonia Worn Wear Workshop hat vor allem eines gezeigt: Upcycling muss weder kompliziert noch besonders perfekt sein.

Wir sind mit altem Wetsuit Material, Nadel und Faden gestartet und hatten am Ende einen Getränkekühler und ein Brillenetui in der Hand.

Viel wichtiger war aber, was danach passiert ist.

Plötzlich kamen ständig neue Ideen dazu. Laptop Tasche? Sollte funktionieren. Kulturbeutel? Definitiv. Kleine Tasche für Kabel? Warum eigentlich nicht? Schutzhülle für empfindliche Outdoor Ausrüstung? Ebenfalls machbar.

Genau deshalb lohnt es sich, beim nächsten ausrangierten Wetsuit nicht sofort an die Mülltonne zu denken.

Was im Wasser ausgedient hat, kann draußen noch ziemlich lange weiterleben.

Und noch einmal, weil wir es inzwischen wirklich ernst meinen: Vergesst den Fingerhut nicht.

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