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Musher in Schweden

Interviews

Über ein Leben als Musher in Schweden: Tino Lesser im Interview

Mit 15 Huskys durch die Wildnis: Ein Leben als Musher mit Familie und Schlittenhunden in Schweden

Fotos: ©adventurearts.tierfotografie

Schnee von November bis März. Weite, Wälder, minus 20 Grad. Tino und Anne Lesser haben ihr Leben den Schlittenhunden verschrieben. In Schweden führen sie ein Rudel aus 15 Huskys und ein Leben, das sich nach Training, Natur und klaren Regeln richtet.

Im Interview spricht Tino über sein Leben als Musher (also als jemand, der ein Hundeschlittengespann lenkt), seinen ersten Husky, Lernkurven, Verantwortung im Rudel und darüber, woran man erkennt, dass ein Hund wirklich Spaß am Laufen hat.

Musher in Schweden

Hey Tino. Welche Rolle haben Hunde in deinem Leben gespielt?

Tino Lesser: Ich wollte als Kind immer einen Hund haben. Meine Eltern waren jedoch entschieden dagegen, da wir nur in einer kleinen Wohnung lebten. Ich habe mir immer gesagt: „Wenn ich 18 bin, dann könnt ihr mich mal, dann hole ich mir einen Hund.“ Gesagt, getan.

Mit 18 Jahren war ich im Urlaub in Ungarn. Dort saß ein kleiner schwarz-weißer Huskywelpe, das war mein Zeichen. Ich hatte meinen ersten eigenen Hund.
Damals lebte ich in einer Neubauwohnung und habe mich erst später mit den eigentlichen Bedürfnissen dieser Tiere beschäftigt. Der große Knall kam, als ich vor lauter zerfressener Auslegware nicht mehr von außen durch meine Eingangstür kam. Da wurde mir klar: Ich muss mich intensiver damit auseinandersetzen.

Und ich habe gelernt: „Huskys sollten nicht allein gehalten werden“. Also bin ich in einen kleinen Bungalow mit Garten gezogen, und kurz darauf kam der zweite Husky. Und als ich sagte, ich hätte Platz für einen weiteren Notfallhund, dauerte es keine zwei Wochen, bis Nummer drei einzog.


Musher in Schweden

Wie bist du zum Schlittenhundesport gekommen?

Mit drei Huskys hat mich das Fieber schnell gepackt. Ein Bekannter lebte einen Ort weiter, und ich dachte mir, ich überrasche ihn mit meinen drei Hunden vor dem Schlitten. Zwei Skier unter einen Kinderschlitten geschnallt, und los ging es.

Als ich ankam, erklärte er mich für verrückt. Gleichzeitig zeigte er mir, welches Equipment man eigentlich braucht. Später erfuhr ich von Schlittenhunderennen und meldete mich 1993 für die Kategorie drei bis vier Hunde an.

Ich stellte schnell fest, dass ich gegen die Vierer-Teams keine Chance hatte. Ein vierter Hund musste also unbedingt her. Es folgten weitere Rennteilnahmen und wie es so ist, kamen dann noch Husky Nummer fünf und Nummer sechs dazu.
Aktuell haben wir 15 Huskys. Unser Team war vor einigen Jahren in Deutschland recht erfolgreich unterwegs in einem Jahr war ich Deutscher Meister in gleich zwei Verbänden.

Was hat dich dazu bewegt, Adventure & More in Schweden zu gründen?

Es wird immer schwieriger diesen Sport in Deutschland auszuüben. In den einzelnen Regionen gelten unterschiedliche Waldgesetze, sodass nicht alle Wege für das Training genutzt werden können. Zudem werden immer mehr Schranken verbaut, was es sehr schwierig macht, geeignete Trainingsstrecken zu finden. Der Sport wird teurer, und Gespanne sind auf immer weniger Rennen anzutreffen. Damit kommt es in Deutschland generell zu einem Wandel der Sportart.

In Schweden hat man noch den Platz, und die Gegend ist so weitläufig, dass sich keine Nachbarn am nächtlichen Hundegeheul stören. Hier können wir direkt von unserem Grundstück aus starten.

Ganz abgesehen vom Schnee: In Deutschland ist das mit dem Schnee doch eine immer seltenere Freude geworden. Hier haben wir Schnee von November bis März. Und das lieben unsere Hunde.

Musher in Schweden

Wie erlebt ihr den Alltag mit so vielen Hunden?

Für unsere Hunde ist das Rudel der Orientierungspunkt. Man weiß sofort, was verschiedenste Verhaltensweisen von Hunden bedeuten und sieht direkt: handelt es sich noch um Spiel, oder wird es schon ernster.

Jeder Hund hat seine eigene Persönlichkeit. Wir haben einen Hund, der in jeder Minute, in der man ihn nicht beobachtet, irgendetwas anstellt. Entweder findet er einen Weg aus dem Auslauf oder klaut ein Spielzeug. Eine andere gurrt wie eine Taube, immer dann, wenn ihr etwas nicht passt. Eine dritte ist wie ein Wiesel: superflink und am liebsten immer auf dem Arm. Wichtig ist, dass sie zusammen als Team funktionieren. Das läuft bei ihnen besser als in jeder Firma. Und das schlichtweg mit klarer Kommunikation.

Auslastung ist ebenfalls ein Thema. Huskys müssen nicht den ganzen Tag laufen, nur weil sie viel Ausdauer mitbringen. Ruhephasen sind ein enorm wichtiger Bestandteil. An Tagen, an denen wir nicht trainieren, spielen wir Ball, lassen Futter suchen und kuscheln. An Trainingstagen fahren wir je nach Trainingsstand drei bis 15 Kilometer. Danach ist Ruhe angesagt. Unsere Hunde gehen dann oft auch freiwillig in ihre Hütten und legen sich hin.

Wie sieht ein typischer Tag im Musher-Alltag aus?

Der Alltag mit unseren Huskys ist recht abwechslungsreich. Am Morgen bekommen alle erst einmal eine kleine „Suppe“. Diese wird mit warmem Wasser sowie RINTI Maximum Trockenfutter (eingeweicht) und etwas RINTI Kennerfleisch zubereitet. Das ist hier besonders im Winter wichtig, damit die Flüssigkeitsaufnahme bei den Hunden gesichert ist. Normale Wasserschüsseln in den Boxen können wir nicht bereitstellen, da alles innerhalb einer halben Stunde gefroren ist.

Um die Mittagszeit erfolgt alle zwei Tage ein Training. Das heißt: Flüssigkeitsaufnahme in kleinen Mengen, Anschirren der Hunde, Equipment bereitstellen, anspannen, fahren, ausspannen, Belohnungsleckerlies, wässern und kuscheln. Anschließend werden die Boxen hergerichtet, das Heu in den Hütten gegebenenfalls aufgefüllt und gefüttert. Das zieht sich dann oft auch in die Nachmittags- und Abendstunden.

Musher in Schweden

Was steckt hinter einem gut eingespielten Huskyteam?

Hinter einem gut eingespielten Schlittenhundeteam steckt viel Training und die richtige Ernährung. Um Muskulatur aufzubauen und die Belastungen des Sports gut wegzustecken, brauchen die Hunde hochwertiges, energiereiches Futter. In den Sommermonaten, in denen es warm ist, geben wir ein gutes Grundfutter RINTI Maximum. Im Winter behalten wir das Grundfutter bei, setzen jedoch wegen des erhöhten Energiebedarfs zusätzlich Fleisch und hochwertige Öle ein. Das brauchen sie vor allem bei höheren Leistungen, um genügend Protein- und Fettreserven zu haben.

Jeder Hund muss an der Position laufen, die für ihn am besten geeignet ist. Man braucht besonders kopfharte und eigenständige, gut hörende Hunde im Lead, wie man bei uns sagt. Im Wheel, also ganz hinten, sind dann oft die kräftigen, großen Hunde, die mehr Gewicht ziehen können.

Wie nimmst du deine Hunde während des Schlittenziehens wahr, mögen sie es wirklich, einen Schlitten zu ziehen?

Das muss man erleben, es ist wirklich schwer zu beschreiben. Wenn wir die Hunde anspannen, eigentlich schon beim Anschirren, springen sie hin und her, sind super aufgeregt und können es kaum erwarten. Viele unserer Hunde stehen oft schon auf ihren Positionen, bevor sie überhaupt angespannt werden. Wenn wir sie rufen, kommen sie direkt und das ist sonst nur der Fall, wenn wir Leckerlies in der Tasche haben.

Wenn sie dann laufen, lächeln sie förmlich. Sie geben alles, nur um vorwärtszukommen. Machen wir eine Pause, wird geschrien. Die absolute Ruhe setzt immer erst dann ein, wenn sie laufen dürfen. Wenn ein Hund überfordert ist und nicht mit dem Rest des Gespanns mithalten kann, lässt er sich zurückfallen. Das sieht man direkt an den Leinen, die am Geschirr befestigt sind. Oft gönnen sie sich nur eine kurze Pause, ohne aktiv zu ziehen, um zwei Minuten später wieder voll mit einzusteigen. Ist ein Hund wirklich überfordert spannen wir ihn aus und setzen ihn in den Schlittensack. Dann ist er eben mal Passagier.

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Welche Eigenschaften schätzt du an deinen Hunden am meisten?

Huskys sind eigenwillig, stur und unbeugsam. Sie vermitteln ein Stück Wildnis und haben immer noch einen großen Freiheitsdrang. Ich glaube, wir sind uns in unseren Eigenarten sehr ähnlich, und es ist damit die perfekte Rasse für mich.
Zudem fasziniert mich diese unglaubliche Stärke, die sie aufbringen können. Huskys können über kurze Distanzen das Zehnfache ihres eigenen Körpergewichts ziehen, auf Dauer das Dreifache. Das ist schon beeindruckend.

Viele Dank dir für das Gespräch!

Danke euch!

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