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Climbing

Vom Wunderkind in die Weltspitze: Ashima Shiraishi im Interview

Mit 19 Jahren gilt Ashima Shiraishi bereits als eine der besten Kletterinnen der Welt. Im Interview zeigt sich, dass die New Yorkerin trotz der frühen Höhenflüge auf dem Boden geblieben ist.

Titelbild: Daniel Gajda

Als Ashima Shiraishi im Alter von sechs Jahren am berühmten Rat Rock im New Yorker Central Park das Klettern entdeckte, dauerte es nur ein Jahr, bis sie professionelles Niveau erreichte. Schon bald erregte sie nicht nur die Aufmerksamkeit der Klettergemeinde, sondern auch von Medien wie der New York Times oder Forbes, die sie als „Kletterwunder“ oder „Boulder-Phänomen“ bezeichneten.

Sehr früh wurde ihr auch von Kletterlegenden wie Lynn Hill sowohl das Talent als auch der Ehrgeiz bescheinigt, es im Klettern in absehbarer Zeit in die absolute Weltspitze zu schaffen. Nach einer beeindruckenden Serie von schweren Bouldern war sie 2015 die erste Frau, die mit der Kletterroute „Open Your Mind Direct“ den Schwierigkeitsgrad 9a+ schaffte – im Alter von 13 Jahren.

Auch für die Olympischen Spiele 2021, bei denen Klettern erstmals vertreten sein wird, dürfte die heute 19-Jährige als Hoffnungsträgerin der USA bei der Medaillenvergabe eine entscheidende Rolle spielen. Im April veröffentlichte sie ihr Kinderbuch „How to Solve a Problem: The Rise (and Falls) of a Rock-Climbing Champion“ im Random House Verlag. Das Buch soll Mädchen und Jungen zum Klettern inspirieren.

Im Interview beschreibt die CLIF-Athletin die Faszination hinter dem Sport und offenbart uns, dass sie trotz der frühen Höhenflüge zwar von großen Zielen träumt, dabei aber immer bescheiden und auf dem Boden geblieben ist. Gleichzeitig positioniert sich Shiraishi klar gegen Rassismus und nutzt ihre Popularität, um auf Probleme unserer Zeit aufmerksam zu machen.

Was fasziniert dich generell am Bouldern?

Ashima Shiraishi: Die Problemlösung ist eine einzigartige und belebende Komponente, die jedem Kletterer Kreativität und Selbstbewusstsein abverlangt. Dies ermöglicht es allen Kletterern – über die Grenzen von Größe, Kraft, Rasse oder Geschlecht hinweg – sich einem Problem in der Wand zu nähern und es auf eine für sie passende Weise zu lösen. Ich betrachte das Klettern als eine Form des Tanzes an der Wand. Es erfordert ein Gleichgewicht aus Anmut, Kraft und Ausdauer, um Höchstleistungen zu erbringen.

Seit wann kletterst du und wie sieht dein Trainingsalltag aus?

Ich habe im im Central Park mitten in New York City mit dem Klettern angefangen, als ich sechs Jahre alt war.

Mein Trainingsplan besteht normalerweise aus vierstündigen Einheiten an fünf Tagen in der Woche. Das Klettern selbst ist die Grundlage meines Trainings, an einigen Tagen trainiere ich auch am Campusboard oder mache Antagonisten-Übungen im Anschluss an die Sessions. Ich glaube, es ist unerlässlich, immer wieder an seine Grenzen zu gehen, indem man Versuche in allen Stilrichtungen unternimmt und die Vielfalt der Bewegung, die das Klettern zu bieten hat, genießt. Der Rausch, nachdem man an die Spitze einer Route gelangt, mit der man gekämpft hat, ist ein außergewöhnliches Gefühl.

 

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„Ich betrachte das Klettern als eine Form des Tanzes an der Wand“

Was reizt dich beim Klettern am Fels im Gegensatz zur Halle?

Mein Einstieg ins Klettern fand am Fels statt, dort sind meine Wurzeln. Und das wird mich auch immer mehr reizen als das Hallenklettern. Bouldern im Freien ist zwischen dem Fels und sich selbst ein Kampf, der völlig spirituell ist und eine Verbindung zur Natur darstellt. Meine Lieblingstage verbringe ich damit, mich trotz der Abstürze langsam an einem Projekt zu verbessern, indem ich mit Freunden oder meinem Vater die einzelnen Kletterabschnitte zusammensetze. Oben anzukommen ist das Ziel, aber ich genieße den Prozess des Scheiterns und das Zusammensetzen der Abschnitte zu einem Boulder sehr.

Seit 2018 lebst du vegan. Wie wichtig ist deine Ernährung für deinen Erfolg beim Klettern?

Die Ernährung fördert mein Training und meine Regeneration, was für mich als Sportlerin von entscheidender Bedeutung ist. Die Umstellung meiner Ernährung auf rein pflanzliche Kost hat Erholung, Energieniveau, Verdauung sowie meine geistige Klarheit deutlich verbessert. Es macht mir Spaß, mit veganen Rezepten kreativ zu werden und viele Früchte, nahrhafte Gemüsesorten und Hülsenfrüchte zu verwenden. Angesichts der zunehmenden Umweltprobleme ist es im Moment entscheidend, dass jeder Einzelne kleine Veränderungen schafft, wie beispielsweise das Vermeiden oder zumindest die Reduzierung des Fleischkonsums.

2015 warst du die erste Frau, die eine Kletterroute im Schwierigkeitsgrad 9a+ schaffte. Was hat das für dich bedeutet?

Klettern war für mich schon immer eine Möglichkeit, meine geistigen und körperlichen Fähigkeiten zu testen. Meine Erfolge beim Klettern sind zutiefst persönlich und ohne Limit. Bestimmte Klettertouren haben einen tieferen Wert für mich, weil der Prozess viel Hingabe und Ausdauer erforderte, um an die Spitze zu gelangen; „Open Your Mind Direct“ ist einer dieser Aufstiege, die mich immer begleiten werden.

Wie ist es heute als Frau in der Kletterszene?

Klettern wird populärer bei einer stetig wachsenden Gruppe von Frauen und BIPoCs („Black, Indigenous and People of Color“ – Anm.d.Red). Ich bin der integrativen Klettergemeinschaft, die mich großgezogen hat, unglaublich dankbar. Aber es war nicht leicht, eine Frau in diesem Sport zu sein. Es gab Zeiten, in denen ich als kleines Mädchen dafür verurteilt wurde, einen „männlichen und gefährlichen“ Sport zu betreiben. Obwohl es Menschen gibt, die sich in ihrem Ego verletzt fühlen, wenn eine Frau etwas klettert, was sie nicht geschafft haben, hat sich das Klettern in eine offenere Richtung entwickelt.

Die Liste deiner Erfolge beim Klettern ist ziemlich lang. Was ist dein persönliches Highlight?

„Climbing Horizon“, meine erste V15, ist mein Highlight. Es war herzzerreißend, am Ende unzählige Male zu stürzen, und schließlich doch diese Hürde zu überwinden, war eine enorme mentale Leistung. Beim erfolgreichen Aufstieg empfand ich die Ausführung jeder Bewegung als perfekt und so flüssig. Diese Momente an der Wand fühlten sich an, als ob sich mein Geist von meinem Körper gelöst hätte und ich meine Bewegungen einfach automatisch ausführte.

Wie war es für dich zu hören, dass die Olympia in diesem Jahr nicht stattfinden wird?

Es ist schade, dass die Olympischen Spiele verschoben werden, aber für die aktuelle Situation notwendig. Wenn das Virus unter Kontrolle ist, werden die Spiele ein großes Fest für die Zusammenkunft der Menschen sein.

Welchen Lebenstraum hast du in Bezug auf das Klettern noch?

Die Route „Jumbo Love“ zu klettern.

Wie sehr hat es dich als Sportlerin belastet, während des Lockdowns in New York nur noch sehr eingeschränkt raus zu dürfen?

Glücklicherweise habe ich in der Garage eine kleine Kletterwand, an der ich trainieren kann. Ich genieße diesen entschleunigten Lebensstil und beschäftige mich mit anderen Hobbys wie Backen, Fotografieren und Lesen. Die Sessions an der heimischen Kletterwand haben den größten Teil meiner Trainingszeit ausgemacht. Spaziergänge in der Nachbarschaft waren auch eine gute Möglichkeit, sich körperlich zu bewegen.

Welche Tipps würdest du Boulder-Anfängern geben?

Man stürzt anfangs viel und kann sich leicht entmutigen lassen, aber die kleinen Verbesserungen häufen sich und sie bringen dich dem Ziel näher. Man sollte zudem besonders auf die Beinarbeit und den Ganzkörpereinsatz bei jeder Bewegung achten.

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