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Passport Diary | Vom Marketing-Job zum Globetrotter // Interview mit Paul Nitzschke

Paul hat sein gemütliches Leben in der Hauptstadt gegen eines im ausgebauten Mercedes 407 D getauscht

Paul hatte die Nase voll. Er wollte einfach nicht mehr in einem hippen Büro in Berlin sitzen und den ganzen Tag auf einen Computer starren. Er hat seinem alten Leben „Goodbye“ gesagt und sich mit „Emma“ auf eine Reise begeben.

Angefangen mit dem Ausbau seines orangefarbenen Mercedes 407 D, den er ausführlich dokumentiert hat und als Der ausführliche Ratgeber für deinen Camper-Ausbau auf seiner Website anbietet, lebt Paul das #vanlife.

Irgendwo zwischen Tadschikistan und dem Iran haben wir ihn zu einem Interview abgepasst.

Hallo Paul, gib uns bitte ein paar Stichpunkte wer Du bist, wo Du bist, was Du vorhast und warum?

Ich bin Paul und ich liebe das Reisen. Ich betreibe einen Vanlife-Channel in Deutschland und irgendwie ist das alles einfach so passiert. Vielleicht eine Generationenfrage, auf die ich mit diesem Lifestyle meine persönliche Antwort gefunden habe.

https://www.instagram.com/p/BI4KjLfjddM/?taken-by=passportdiary

Ich habe den Schritt gewagt und mein altes Leben im schönen Berlin hinter mir gelassen. Ich hatte einen interessanten und hippen Marketing-Job in einem Fashion-Unternehmen und die Sicherheit eines monatlichen Einkommens.

Ich wollte einfach nicht mehr in einem Büro sitzen und auf einen Computer starren, während hinter mir mein Leben an mir vorbeizieht. Ich habe daher meinen Camper gebaut und bin in die Welt gezogen.

Das Reisen habe ich weitestgehend zum Beruf gemacht. Ich bin Vollzeitreisender und ein Ende dieser Reise ist gerade nicht in Sicht.

Als ich mir meinen Bus „Emma“ gekauft habe, war das eher eine Schnapsidee als Liebe. Ich wollte einen kleinen Roadtrip mit meinen Freunden machen und dachte mir wie so viele: ‚Einen Van wollte ich schon immer haben. Ich hatte keine Ahnung von Campern oder wie man damit reist‘.

https://www.instagram.com/p/BKNjUFmDJy-/?taken-by=passportdiary

Nach einigen Jahren Erfahrung sammeln bin ich nun mit meiner Freundin auf meinem aktuellem #OrangeVanTrip.

https://www.instagram.com/p/BVMV8jLAR-F/?taken-by=passportdiary

Die Länder, die ich 2017 bisher bereist habe mit meinem orangenen Bus:
Slowakei, Rumänien, Moldawien, Transnistrien, Ukraine, Georgien, Nord-Ossetien, Tschetschenien, Dagestan, Kalmükkien, Sibirien, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Usbekistan.

https://www.instagram.com/p/BU_fHBtAmY4/?taken-by=passportdiary

Kommende Länder in den nächsten Wochen: Aserbaidschan, Iran, Oman und wieder zurück Richtung Deutschland. Das fernste Ziel dieser Reise war bisher Sibirien. Meine Freundin Christina und ich haben ihren Geburtsort und ihre Großmutter in ihrem Dorf besucht – in den Tiefen Sibiriens.

Bis nach Sibirien waren es etwa 10.000 Kilometer. Mein Fahrzeug hat 72 PS und wir sind drei Monate gefahren, durchschnittliche Geschwindigkeit: 60km/h.

https://www.instagram.com/p/BYAuaEoAX4J/?taken-by=passportdiary

Meine Freundin Christina ist Russlanddeutsche und in Barnaul geboren. Wir haben uns auf die Spuren ihrer Vergangenheit gemacht und ihren Heimatort besucht. Ein Wahnsinnserlebniss. Gerade schneiden wir das Video dazu fertig.

Warum wir das Ganze machen?

Irgendwie hat mich das Leben in Berlin nicht mehr so richtig zufrieden gestellt. Wir hatten alles, was man in Berlin so haben kann, aber irgendwie sind die Jahre ins Land gezogen und die Träume wurden nicht gelebt. Mit einem alten Wohnmobil reisen und die Welt erkunden, erschien mir dabei als eine gute Idee.

Diese Idee habe ich bis heute nicht bereut.

Im Oman werden wir einen kleinen Zwischenstopp einlegen, nochmal nach Südostasien fliegen und länger an einem Ort bleiben. Ein neues Buch schreiben und liegengebliebene Projekte fertigstellen. Wir kommen mit unserem Mobil auch nur so weit, da wir uns nicht für jedes Land mehrere Monate Zeit nehmen. Manchmal sollten wir das tun. Wenn in Sibirien der Winter kommt, willst du dort auch nicht sein. Daher reisen wir mit dem Wetter und das bedeutet, auch mal nur zehn Tage in einem Land zu sein.

Was genau siehst Du wenn Du aus dem Fenster schaust?

Das Unbekannte. Jedes Land ist einzigartig für sich, sowie die Menschen, denen wir aus unserem Van aus zuwinken. In manchen Ländern kommt man aus dem Staunen einfach nicht mehr raus.

Alone in the mountains of Kyrgyzstan 🇰🇬 #OrangeVanTrip #vanlife

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Manchmal fällt mir auf, dass wir wirklich weit gekommen sind, vor allem, wenn sich die Gesichter der Menschen so stark verändert haben wie auf dieser Reise in Zentralasien.

Today we had fresh fish for dinner. Thanks to the shepherd at Son Kul Lake who gave us this gift. #OrangeVanTrip #vanlife

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Im Moment schaue ich aus dem Fenster und sehe einen Strand, auf den wir mit Vollgas raufgefahren sind, hier an diesem glasklaren See bleiben wir ein paar Tage, waschen Wäsche und erledigen auch mal ganz klassisch den Haushalt.

https://www.instagram.com/p/BWIDyxoA7m8/?taken-by=passportdiary

Das Thema „Vanlife“ wird momentan unglaublich gehyped. Seid ihr schon länger mit einem Camper unterwegs, oder ist es die erste Safari mit Eurem Mercedes?
Gemeinsam ist das unsere erste Tour. Ich bin schon 2015 mit Freunden aus Frankreich Richtung Osten aufgebrochen und für fünf Monate bis in das unbekannte Land Berg-Karabach unterwegs gewesen. Damals habe ich auch meinen Blog „Passport Diary“ gestartet, bei dem es rund um das Thema „Vanlife“ geht.

Durch diese Tour habe ich einen recht guten Einblick in das Thema bekommen. So konnte ich mich auf die aktuelle Reise viel besser vorbereiten und wusste, worum es geht.

Ich wusste, was beim ersten Mal nicht so optimal gelaufen war, und konnte diese Erfahrungen dafür nutzen, es bei meinem aktuellen Camper-Ausbau nochmal verbessern. Aber damals war mir auch schon klar, dass ich diesen Lifestyle nicht vorübergehend leben möchte, sondern auf Dauer. Das letzte Jahr habe ich hart daran gearbeitet, diesem Ziel näherzukommen.

Der Weg zum perfekten Vehikel ist nicht so einfach. Wie seid Ihr zu Eurem Fahrzeug gekommen?

Da ich der erste von unserer Jungstruppe einen festen Job hatte, war ich auf der Suche nach einem passenden Fahrzeug für unsere gemeinsame Reise. Mein Camper hat mich damals 1500€ gekostet und war eines der billigsten Modelle, die ich vor vier Jahren finden konnte.

Als ich das erste Mal beim Kauf in diesen Mercedes geschaut hatte, roch es im Innenraum nach Kuhmist und der Wagen wurde über ein halbes Jahr nicht mehr bewegt. Der bayrische Bauer hatte damit seine Kälber zu Wiese gebracht und jetzt keine Verwendung mehr für den leeren Kasten.

Der Lack hatte Patina abbekommen und musste von mir überarbeitet werden. Neben einer Motorüberholung, neuem Lack auf dem Rahmen und einem einfachen Ausbau steckte ich  vier Monate harte Arbeit in mein erstes Projekt. Ob sich das für einen kurzen Urlaub lohnen würde?

Nachdem ich meinen ersten Trip für drei Wochen nach Albanien absolviert hatte, stand für mich eines fest: Der Wagen kommt nicht wieder weg, sondern bleibt bei mir. Der sehr rudimentäre Ausbau musste nochmal neu gemacht werden nach meiner ersten Reiseerfahrung mit meinem Camper.

Wieso ich genau dieses Modell gewählt habe?

Das Auto ist so einfach gebaut, dass ich es selbst reparieren kann, wenn nötig. Jeder Schweißer bekommt es hin, dieses Auto wieder auf die Straße zu bringen, egal ob ich in den tadschikischen Bergen bin oder am Mittelmeer.

Außerdem verzichtet das Auto auf die meiste Elektronik. Was ich nicht im Auto verbaut habe, kann auch nicht kaputt gehen. Es gibt keine Servolenkung, keine elektrischen Fensterheber oder andere Annehmlichkeiten.

Zudem sind die alten THW-Fahrzeuge vor dem Kauf von privat sehr gut gepflegt worden und stehen meist nur in der Halle und warten auf ihren Einsatz. So bekommt man Modelle, die sehr wenig Kilometer haben und in einem guten Zustand sind für ihr Alter.

Der Umbau hat Euch auch einige Zeit beschäftigt, wenn man Deinem Blog vertrauen kann. Wie bist Du auf die Idee gekommen, das ganze Thema als Buch zu veröffentlichen?

Das Buch ist eigentlich aus der eigenen Not entstanden. Da es mein erster richtiger Busumbau war, musste ich mir selber viele Dinge beibringen. So hatte ich absolut keine Ahnung, wie man seinen Camper mit Strom versorgt oder eine Dachluke einbaut. Auf der Suche nach Lösungen und Möglichkeiten bin ich im Internet schnell an meine Grenzen gestoßen.

Zwar findet man einige Anleitungen und Erfahrungsberichte, jedoch ist das eine mühselige Arbeit, sich all diese Informationen zusammenzusuchen. Ab da war mir klar, den eigenen Ausbau dafür zu nutzen, meine Erfahrungen weiterzugeben. Ich wollte auch Leute, die sich schon seit langem einen eigenen Camper wünschen, zu ermutigen, es einfach zu tun – sozusagen die Einstiegshürde zu erleichtern.

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