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Fjällräven Classic Schwede

Travel

Unterwegs beim Fjällräven Classic Schweden: 110 Kilometer durch Lappland

Fünf Tage auf dem Kungsleden, vier Nächte im Zelt und 17 Kilo auf dem Rücken: Unsere Autorin ist mit 16 Frauen aus aller Welt durch die Wildnis Nordschwedens gewandert.

Fotos: Paulina Keller 

Die Luft ist kühl. Es riecht nach nasser Erde, Schweiß und Mückenspray. Über uns kreisen Möwen, was mir hier, mitten im nordschwedischen Fjäll, recht absurd vorkommt. Meine Füße fühlen sich an, als hätte jemand über Nacht die Sohlen aus meinen Wanderschuhen entfernt. Und irgendwo zwischen rechtem Schulterblatt und Hüfte melden sich Muskeln zu Wort, von deren Existenz ich bis heute nichts wusste. Es ist Tag zwei unserer Wanderung durch das nordschwedische Lappland.

Fjällräven Classic Schwede
Foto: Paulina Keller

Die Landschaft um mich herum scheint aus unzähligen Grüntönen zu bestehen. Sattgrüne Blaubeersträucher bedecken den Boden, dazwischen wiegen sich Gräser in sanftem Hellgrün im Wind. Weiße Büschel von Wollgras sprenkeln das Fjäll, buntes Moos überzieht graue Granitfelsen und notdürftig gezimmerte Holzstege führen uns durch sumpfigen Untergrund.

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Bäche ziehen silberne Linien durch Täler und münden in türkisblaue Seen. Dahinter ragen dunkelgraue Berge auf. Wolken hängen tief an ihren Flanken, in geschützten Mulden hält sich noch der letzte Schnee. Vor uns: nichts als Wildnis und endlose Weite. Keine Häuser, keine Straßen, kein Verkehrslärm. Nicht einmal Empfang.


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Fjällräven Classic Schweden

Dafür aber 17 Frauen aus den verschiedensten Teilen der Welt, die seit zwei Tagen zusammen wandern, essen, frieren, lachen, fluchen und die Blasen an ihren Füßen versorgen.

Der Plan: 110 Kilometer zu Fuß durch Lappland, mit allem, was wir brauchen, auf dem Rücken. Gemeinsam laufen wir einen Teil des legendären Kungsleden Wanderweges beim Fjällräven Classic Schweden 2026 von Kiruna bis nach Abisko.

(PS: Fjällräven ist übrigens schwedisch und bedeutet Bergfuchs).

Keine Dusche, kein richtiges Klo, kein Internet. Fünf Tage Flugmodus.

Ich muss gestehen: Ich habe richtig Bock!

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Es geht los: 17 Kilo

Am Abend vor dem Start wartet in Stockholm ein vollgepackter Trekkingrucksack auf mich. Gefüllt mit allem, was ich in den nächsten fünf Tagen brauchen werde: Fleece, Shell- und Windjacke, Regenhose, Merino-Layer, Wanderschuhe, Cap und Mütze. Es fühlt sich fast an wie Weihnachten.

Dazu kommen Zelt, Schlafsack (Quilt), Isomatte, Kocher, einige gefriergetrocknete Mahlzeiten, Snacks, Schmerzmittel, Blasenpflaster und bequeme Badelatschen für abends im Camp. Nach einigem Stöhnen habe ich endlich alles einigermaßen sinnvoll in meinem Backpack verstaut. Am Ende bringt er stolze 17 Kilo auf die Waage. Ich bin ready für fünf Tage Trekking im Fjäll.

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PS: Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausreichend ernst genommen habe: Neue Wanderschuhe sollte man einlaufen. Und es wäre wohl auch keine schlechte Idee gewesen, vor einer 110-Kilometer-Tour zumindest einmal als Test mit einem voll beladenen Trekkingrucksack wandern zu gehen. Die Quittung lässt nicht lange auf sich warten.

Fjällräven Classic Schweden
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Kiruna und die Girls

Am nächsten Morgen fliegen wir nach Kiruna, Nordschweden. Dort lerne ich die anderen Frauen unserer Gruppe kennen: eine internationale Mischung aus Journalistinnen und Content-Creatorinnen.

Da ist Feifei aus China, gefühlt immer mit Actioncam in der Hand. Fran (Francisca) aus Chile, dreifache Mutter und ein echtes Energiebündel. Shemayra aus den Niederlanden, mit der ich mir Kocher und Topf teile. Kathi kommt aus Innsbruck, Lauren, Kristin, Gabbi und Rachel aus den USA, Orme aus Thailand, Nadia aus Dänemark und Berta aus Spanien. Emma und Vilda aus Schweden. Alessia aus Mainz hat eine Krebsdiagnose und eine große OP hinter sich und läuft den Trek heute mit einer langen Narbe am Rücken und ein paar Rippen weniger. Manche von uns haben Marathons und Ultratrails hinter sich, andere deutlich weniger Erfahrung.

Was uns verbindet ist die Liebe zum Draußensein.

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Und dann ist da noch Sofia, unser Guide. Sie ist blond, schmal und im normalen Leben CEO eines Flughafens. Wenn sie nicht gerade wandert oder auf Skitour ist, jagt sie Elche und Vögel. Wie tough sie wirklich ist, zeigt sich spätestens am letzten Tag: Eine Teilnehmerin hat solche Schmerzen, dass sie ihren Rucksack nicht mehr tragen kann. Also trägt Sofia zwei.

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Wir sind 17 ziemlich unterschiedliche Frauen, die für die nächsten Tage dasselbe Ziel haben. Abisko. Dazwischen liegen 110 Kilometer Fjäll.

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Tag 1: Von Nikkaluokta in die Wildnis (ca. 15 km Trek)

Um sechs Uhr klingelt der Wecker. Nach einem schnellen Frühstück in der Unterkunft (mit schwedischen Haferkissen und Preiselbeeren) geht es los. Beim ersten Schultern des Backpacks geht ein kollektives Stöhnen durch die Gruppe. Dann lernen wir, wie der Rucksack richtig sitzt. Rund 80 Prozent des Gewichts sollen über die Hüfte getragen werden, nur etwa 20 Prozent über die Schultern.

Wanderstöcke? Hielt ich bisher für eher überflüssig. Ein paar Kilometer später nehme ich alles zurück. Sie geben Halt auf steinigem Untergrund, entlasten die Beine und werden spätestens dann zu meinen besten Freunden, als Knie und Füße anfangen zu streiken.

Auch das Layering braucht anfangs etwas Übung. Die Regel: lieber leicht fröstelnd starten und sich warm laufen, statt zu schwitzen und später auszukühlen. Klingt einfach, bis der Wind auffrischt und man vor dem offenen Rucksack steht: Wo zum Teufel habe ich noch mal den Fleece verstaut? Aber das kommt mit der Übung.

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Zuerst laufen wir durch flachen Laubwald mit knorrigen Fjällbirken, Blaubeerbüschen und jeder Menge Pilzen. Dann verändert sich die Landschaft: An die Stelle der Bäume treten Zwergsträucher und Büsche, Gräser, Moose und Flechten. Ich muss an Pettersson und Findus denken.

Sanft gerundete Berge, weite Hochebenen, breite Täler und kleine Seen prägen das schwedische Fjäll. Seine weichen Formen verdankt es den eiszeitlichen Gletschern, die die Landschaft über Jahrtausende abgeschliffen haben. Lappland kenne ich bisher vor allem aus Geschichten wie Nils Holgersson: als jenen mystischen Ort im Norden, zu dem die Wildgänse ziehen, um dort in Ruhe zu brüten.

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Am Anfang laufen wir noch relativ geschlossen, doch schnell zieht sich die Gruppe auseinander. Bald findet jede ihr eigenes Tempo. Mal wandern wir nebeneinander her, reden über Gott und die Welt. Dann laufen wir wieder allein für uns, begleitet vom Rhythmus der eigenen Schritte und des Windes.

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Spätestens zur ersten „Fika” finden wir wieder zusammen. Fika ist die schwedische Kaffeepause. Hier draußen bedeutet sie: Rucksack runter, warme Jacke an, Schuhe aus, Füße massieren, Snacks auspacken, Kaffee kochen.

Wasser müssen wir zum Glück kaum tragen. Überall fließen klare Gletscher-Bäche aus den Bergen in die Täler. Also können wir einfach unsere Flaschen mit kaltem Bergwasser auffüllen. Man braucht nicht mal einen Filter. Als die Mädels aus den USA das hören, sind sie erst skeptisch. Bei ihnen ist ungefiltertes Wasser tabu: Parasiten wie Giardien können durch Tierkot in Flüsse und Seen gelangen und das sogenannte „Biberfieber“ verursachen.

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Später gleiten wir in einem kleinen Boot durch eine Landschaft aus Wasser, Gräsern und Sumpf. Alles schillert, ist weit und still, und ich fühle mich kurz wie Kya aus Der Gesang der Flusskrebse oder wie in der Serie Outer Banks.


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Gegen 18 Uhr finden wir unseren Campspot für die Nacht, auf einer kleinen Hochebene mitten im Fjäll. Um uns grünschimmernde seichte Hügel ummantelt von granitgrauen Bergen. Auch bei der Wahl des Zeltplatzes lernen wir dazu: lieber eine leichte Anhöhe als eine Senke. Oben sorgt der Wind für weniger Mücken, während sich weiter unten Kälte und Regenwasser sammeln können.

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Ganz allein sind wir hier draußen allerdings nicht. Der Kungsleden gehört zu Schwedens bekanntesten Wanderwegen, und allein in dieser Woche sind rund 1.000 Menschen beim Fjällräven Classic unterwegs. Kein Wunder also, dass wir hier und da ein paar bunte Zelte im Grün leuchten sehen.

Auch unterwegs begegnen uns immer wieder andere Teilnehmer in Fjällräven-Outfits, am Rucksack der orange Wimpel, der uns im Notfall schon von Weitem sichtbar macht. Wir begrüßen einander mit „Hej!“ oder verabschieden uns mit „Hej då!“.

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Dann kochen wir Wasser und bereiten unsere freeze-dried Meals zu (noch ist der Stoke für gefriergetrocknete Mahlzeiten da). Bei mir gibt es asiatisches Curry. Es schmeckt nicht schlecht, aber am Ende des Trips werde ich es nicht mehr sehen können.

Anschließend füllen wir unsere Trinkflaschen mit heißem Wasser und nehmen sie als Wärmflaschen mit in den Schlafsack. Nachts sinken die Temperaturen hier auf gerade mal fünf Grad und weniger. Gegen 21 Uhr putze ich mir mit Blick auf die Berge die Zähne und krieche ins Zelt.

Die Kopflampe hätte ich mir sparen können, wie ich diese Nacht feststelle. Hier oben, nördlich des Polarkreises, wird es im Sommer kaum dunkel. Stattdessen verändert das Licht nur langsam seine Farbe, wird matter, weicher, bläulicher, aber nie wirklich schwarz. Dann schlafe ich mit Blick aufs Fjäll ein.


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Tag 2: 26 Kilometer und Füße wie Blei

Der zweite Tag wird unser härtester. Um sechs Uhr morgens schäle ich mich aus dem Schlafsack und direkt in meine Daunenjacke. Nach und nach kriechen auch die anderen aus ihren Zelten. Wir wurschteln vor uns hin und erledigen unsere Aufgaben. Alles Handgriffe, die wir schon bald wie im Schlaf können werden. Freeze-dried Frühstück aufkochen (diesmal Blaubeer-Porridge, erstaunlich lecker), Schlafsack einrollen, Zelt abbauen, Rucksack packen. Alles irgendwie wieder an den richtigen Ort stopfen.

Langsam entwickelt sich eine Routine, die in ihrer Einfachheit fast meditativ ist.

Aufstehen. Essen. Packen. Laufen. Snacken. Zelt aufbauen. Essen. Schlafen.
Es gibt plötzlich erstaunlich wenig, worüber man nachdenken muss. Keine Mails. Keine Termine. Keine Nachrichten. Niemand kann etwas von mir wollen, weil mich schlicht niemand erreicht.

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Mein Universum besteht aus sehr simplen Fragen: Wie weit ist es noch? Wann essen wir? Wo ist mein Regenzeug? Wo genau tun meine Füße gerade am meisten weh? Unser einziges Ziel ist ziemlich konkret: Von A nach B kommen.

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Spätestens heute stellt sich die Frage mit dem Klo. Abgesehen von ein paar Toiletten-Zelten an den Checkpoints (wo wir unsere Vorräte an gefriergetrockneten Mahlzeiten auffüllen) gibt es hier draußen nichts. Also bleibt nur die Natur. Toilettenpapier wird anschließend verbrannt (hier ist es feucht genug dafür) oder wieder eingepackt und mitgenommen. Nur ist Privatsphäre im Fjäll so eine Sache: kaum Bäume, kaum Verstecke und freie Sicht bis zum Horizont.

Unseren Müll sammeln wir in großen Trashbags, die wir erst am Ende der Tour abgeben können. Erschreckend, wie viel Abfall selbst bei einem so minimalistischen Trip zusammenkommt. Denn die Devise beim Wildcampen in Schweden lautet:

Verlasse jeden Ort noch besser, als du ihn vorgefunden hast.


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Wir starten gegen acht Uhr morgens und kommen ungefähr um 21 Uhr an. Dazwischen liegen zwei Checkpoints (Singi und Sälka), Fika-Pausen, schmerzende Rücken und noch schmerzendere Füße. Am Ende des Tages fließen ein paar Tränen der Erschöpfung. Und das ist vielleicht eine der schönsten Erkenntnisse dieser Reise:

Niemand muss hier so tun, als wäre alles easy. Es wird gemeinsam geflucht, geweint, nach Hilfe gefragt.

Als wir am Abend ankommen, bleibt nicht mehr viel Energie für große Gedanken. Zelt aufbauen. Essen. Schlafen. So gut das eben geht, wenn die Fußsohlen sich anfühlen, als hätte man die 26 km barfuß zurückgelegt.

Tag 3: Rentiere, Steigung und ein Sprung ins Eiswasser (ca. 22 km)

An Tag 3 passiert etwas, auf das ich seit Beginn des Trips gewartet habe. Rentiere! Morgens tauchen die ersten Tiere auf und plötzlich kommen alle aus ihren Zelten. Berta aus Spanien will unbedingt Elche sehen. Doch abgesehen von getrocknetem Elchkot wird das leider diesmal nichts. Dann müssen wir wohl nochmal wiederkommen.

Heute wartet der höchste Anstieg der Strecke auf uns. Wir sind etwas aufgeregt, und dann ist es schneller geschafft, als gedacht, wenn man einen Fuß vor den anderen setzt. Zwischen den Bergen liegt noch Schnee, darunter ziehen sich Flüsse durchs Tal. Jetzt könnten wir auch in Der Herr der Ringe sein.

Beim Wandern haben die Gedanken viel Zeit zum Schweifen, der Blick dagegen erstaunlich wenig. Der ist meist starr auf die eigenen Füße gerichtet, damit man nicht stolpert oder die Route verliert. Und wer zu lange stehen bleibt, darf anschließend zusehen, wie er die Gruppe wieder einholt.

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Heute wandern wir etwas weiter als geplant, weil ein fettes Gewitter aufkommen soll. Wir campen an einem wunderschönen See und ich lasse mich von den anderen überreden,  hineinzuspringen. Es ist genauso kalt, wie man es sich vorstellt, aber die einzige Dusche und deshalb Motivation genug! Danach fühlt sich der Körper für eine kurze Zeit wieder wie neu an.

Am Abend trommelt der Regen aufs Zelt. Neben mir schnarcht jemand. Aber in meinem Schlafsack ist es sehr kuschelig.


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Tag 4: Pfannkuchen, schmerzende Knie und die Frage, ob ich überhaupt ankommen will (ca. 19 km)

Morgens packen wir unsere Zelte im Regen zusammen. Es ist einer dieser Momente, in denen Campingromantik und Campingrealität relativ weit auseinanderliegen. Nasses Zelt. Nasse Hände. Kalte Finger. Schlamm.

Heute werden die körperlichen Grenzen noch einmal deutlicher. Knie machen Probleme, Füße und Rücken sowieso. Nach vier Tagen merkt man, was rund 80 Kilometer mit Gepäck bedeuten. Auch mir tut inzwischen alles weh, und ich glaube, langsam zu verstehen, was meine Eltern meinen, wenn sie über Schmerzen am ganzen Körper klagen.

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Das Fjäll legt heute noch einmal einen drauf: Höhere, salbeifarbene Büsche säumen den Weg, und zum ersten Mal auf diesem Trip zeigt sich die Sonne. Aber es kommt auch jede Menge Wind, der Wellen auf die türkisblauen Seen zeichnet.

Während wir laufen, denke ich darüber nach, wie seltsam normal es mittlerweile geworden ist, nicht erreichbar zu sein. Ich hatte vielleicht damit gerechnet, mein Handy zu vermissen. Stattdessen bekomme ich langsam Angst davor, es wieder anzuschalten.

Nur noch ein Tag. Will ich eigentlich, dass es morgen vorbei ist? Meine Füße freuen sich aufs Ziel, mein Körper auf eine heiße Dusche. Aber mein Kopf? Der wird die Natur und die Ruhe vermissen.

Abends am Checkpoint wartet eine Überraschung: Die besten Pfannkuchen mit Sahne und Blaubeeren überhaupt. Fast sind alle Schmerzen vergessen.

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Tag 5: Abisko – Ankommen im Ziel (ca. 15 km)

An diesem Morgen machen wir alles ein letztes Mal: Schlafsack einrollen, Zelt verstauen, Wasser fürs Frühstück kochen. Heute teilen wir uns bewusst auf. Die Langsamen und Angeschlagenen unter uns starten zuerst, während die Schnelleren beim Zeltabbau helfen und später nachkommen. Kurz vor Abisko wollen wir uns wieder treffen, um die letzten Meter gemeinsam zu gehen.

Und tatsächlich: Je näher wir dem Ziel kommen, desto schneller werden plötzlich alle. Die Aussicht auf eine warme Dusche scheint ungeahnte Kräfte freizusetzen. Wir passieren Wasserfälle und Flüsse, bis irgendwann ein Schild vor uns auftaucht: Noch 2 Kilometer.

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Kurz vor dem Ziel finden wir wieder zusammen. Als wir gemeinsam in Abisko einlaufen, kommen die Fjällräven-Crew und Helfer aus den Zelten und applaudieren. FeiFei, die sich trotz massiver Knieprobleme durch die letzten Tage gekämpft hat, läuft als Erste ins Ziel.

Es ist lange her, dass ich eine Ziellinie überquert habe. Und plötzlich ist da alles gleichzeitig: Stolz, Erleichterung, Euphorie. Aber auch dieser kleine Gedanke: Oh. Das war’s jetzt? Fünf Tage. 110 Kilometer. Zelt, Schlamm, Regen und schmerzende Füße. Wir haben es geschafft.

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Abisko: Dusche, Sauna und etwas, womit keiner gerechnet hätte

Zurück in der Zivilisation wartet endlich die heiß ersehnte Dusche. Nur leider ist das Wasser nicht ganz so heiß und der Strahl nicht annähernd so kräftig, wie ich ihn mir auf den vergangenen 110 Kilometern ausgemalt habe. Leicht enttäuschend.

Dafür gibt es eine Sauna. Und richtiges Essen. Nach Tagen mit gefriergetrockneten Trekkingmahlzeiten (und gefühlt fünfmal Curry in verschiedenen Ausführungen) kommt mir das Menü absurd luxuriös vor: Es gibt Elchtatar (so hatte sich das Berta bestimmt nicht ausgemalt), Preiselbeer-Spritz und zum Nachtisch die seltenen Moltebeeren, die nur ganz im Norden vorkommen.

Was an diesem Abend allerdings wirklich niemand von uns erwartet hätte: Wir gehen gemeinsam tanzen in einer der großen Jurten. Knie und Füße protestieren noch kurz, und ergeben sich dann ihrem Schicksal.

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Was bleibt

Schweden hat mir gezeigt, was passiert, wenn man 17 Frauen aus aller Welt gemeinsam auf einen Trek in die Wildnis steckt: Es entsteht eine unglaublich besondere Gemeinschaft.

Kein Empfang, kaum Ablenkung, dafür viel Zeit draußen. Ich nehme aus Lappland nicht nur 110 Kilometer in den Beinen mit, sondern auch die Erkenntnis, dass es sich lohnt, Dinge auszuprobieren, bei denen man vorher nicht genau weiß, ob man sie schafft. Dass offline sein verdammt guttut. Und dass ein Alltag in der Natur, der sich für ein paar Tage nur ums Laufen, Essen und Schlafen dreht, ziemlich befreiend sein kann.

Zurück zu Hause bleibt dann nur noch eine Frage: Ist es eigentlich normal, dass mein linker großer Zeh immer noch taub ist?

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