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BANFF Tour 2026: Emil und Karl – Ein Bikepacking Abenteuer aus Kinderaugen

Filmemacher Holger Wimmer über seinen Film, Improvisation und die Magie kleiner Momente

Sechs Tage Bikepacking durch die Schweizer Alpen, 180 Kilometer Strecke und rund 6000 Höhenmeter. Für Emil und Karl ist es das erste große Bergabenteuer ihres Lebens. Mit gerade einmal zweieinhalb Jahren sind sie die jüngsten Teilnehmer dieser Tour, größtenteils unterwegs im Fahrradanhänger, manchmal aber auch auf dem eigenen Laufrad. Während ihre Väter Jakob und Konne kräftig in die Pedale treten, entdecken Emil und Karl eine ganz eigene Welt zwischen Steinen, Kühen, Murmeltieren und kleinen Bächen.

Der Film Emil und Karl, inszeniert von Filmemacher Holger Wimmer, erzählt dieses Abenteuer aus einer ungewohnten Perspektive. Es geht nicht um Rekorde, nicht um Geschwindigkeit und nicht um sportliche Extreme. Stattdessen rückt der Blick der Kinder in den Mittelpunkt. Ein Blick, der entschleunigt, neugierig ist und selbst aus kleinen Momenten große Erlebnisse macht.

Holger Wimmer & Charlene Gürntke (Partnerin & Creative Producerin)
Holger Wimmer & Charlene Gürntke (Partnerin & Creative Producerin)

Der Film wird im Rahmen der BANFF Tour 2026 weltweit gezeigt und hat bereits auf zahlreichen Festivals für Aufmerksamkeit gesorgt. Wir haben mit Holger Wimmer ausführlich über die Entstehung des Films, das Arbeiten mit Kindern, Improvisation und die besondere Herausforderung gesprochen, ein solches Projekt umzusetzen.

Emil und Karl Banff Tour 2026

Holger, du bist Regisseur und Producer von Emil und Karl, der aktuell auf der BANFF Tour 2026 gezeigt wird. Wie kam es zu diesem Film?

Das war ein kleines Low Budget Projekt, bei dem ich sehr vieles selbst gemacht habe. Ich habe produziert, gefilmt, geschnitten und mich auch um Dinge wie das Filmposter gekümmert. Als ich mit dem Filmemachen angefangen habe, habe ich meinen allerersten Mountainbike Film 2013 mit Jakob gedreht, einem der beiden Papas. Seitdem haben wir eigentlich alle ein bis zwei Jahre regelmäßig ein Projekt zusammen umgesetzt.

Als Jakob dann Nachwuchs bekommen hat, war relativ schnell klar, dass wir unsere Termine anders organisieren müssen. Jakob ist Lehrer, deshalb fanden unsere Projekte meistens in den Sommerferien statt. Dann kam irgendwann die Frage der Kinderbetreuung auf und ob sich das überhaupt noch umsetzen lässt.

Irgendwann kam Jakob dann auf mich zu und meinte, er könne den Kleinen auch einfach mitnehmen. Ich fand die Idee sofort spannend und habe gefragt, ob noch jemand dabei wäre. So kam Konstantin mit ins Boot, der Nachbar von Jakob, der zeitgleich ebenfalls ein Kind bekommen hatte. Und so entstand die Idee, dass Jakob und Konstantin gemeinsam mit ihren beiden Söhnen diese Tour machen.

Die Tour war ursprünglich also gar nicht als Projekt mit Kindern geplant?

Genau, ursprünglich war das Projekt nur für Erwachsene gedacht. Dann kam das Thema Kinder dazu und wir mussten das Projekt komplett neu denken. Es ist ja so ein klassisches Filmemacher Credo, dass man niemals mit Kindern und niemals mit Tieren drehen soll, weil alles extrem unberechenbar ist.

Trotzdem fanden wir die Idee spannend. Es war eine Herausforderung, aber auch eine Chance, etwas Neues zu erzählen. Mir war relativ schnell klar, dass ich das nicht alleine stemmen kann. Zwei Papas, zwei Kinder und dann noch filmen, das funktioniert nicht. Deshalb habe ich meinen guten Freund Marcus Witte als zweiten Kameramann mit ins Boot geholt.

Emil und Karl Banff Tour 2026

Wie war das Team während der Tour aufgestellt?

Wir waren insgesamt sechs Personen. Zwei Kameramänner, die beiden Papas und die beiden Kinder. Wir haben in drei Zelten übernachtet.

Markus und ich waren als Kameramänner mit E-Bikes unterwegs. Wir sind meistens vorausgefahren, haben die Kamera aufgebaut, die Familie vorbeifahren lassen und sind dann wieder weiter. Das hat grundsätzlich gut funktioniert, aber es gab natürlich auch viele Wartezeiten.

Manchmal standen wir zwanzig Minuten an einem Spot, weil es eine Pipi Pause gab, eine Essenspause oder einfach eine Steinwurf Pause. Das gehört mit Kindern einfach dazu.

Emil und Karl Banff Tour 2026

Ihr habt also komplett draußen gelebt und alles mitgemacht?

Ja, absolut. Ich habe alles mitgemacht. Der einzige Unterschied war, dass wir Kameramänner E Bikes hatten. Normalerweise ist es beim Mountainbike Filmen so, dass das Kamerateam die schweren Rucksäcke trägt und oft mehr schleppen muss als die Athleten.

In diesem Projekt war es genau andersherum. Die Papas hatten Anhänger und Fahrräder mit teilweise über 60 Kilogramm Zusatzgewicht. Und das alles ohne E Bike. Das war schon sehr beeindruckend.

Haben die Papas das auch als sportliche Challenge gesehen?

Definitiv. In der Tourplanung war ihnen klar, dass es anspruchsvoll wird. Besonders der fünfte Tag war extrem steil und sie wussten, dass es hart wird. Aber sie haben sich gut vorbereitet, auch mit den Anhängern.

Sie haben mit den Kindern früh trainiert. Erst kurze Strecken, dann längere, damit die Kinder sich daran gewöhnen. Ein Fehler war allerdings die Übersetzung der Bikes. Sie hatten normale Tourenkassetten montiert und haben schnell gemerkt, dass der leichteste Gang nicht leicht genug war. Das hat für ordentliches Fluchen gesorgt.

Emil und Karl Banff Tour 2026

Gab es viele Höhen und Tiefen, gerade mit den Kindern?

Ja, absolut. Für die Väter war das extrem fordernd. Normalerweise fährst du als Athlet deine Tour, kommst an und kannst dich erholen. Mit Kindern ist das komplett anders.

Du fährst bergauf, kommst an und musst sofort umschalten auf Kinderbespaßung. Die Kinder saßen im Anhänger und hatten Energie ohne Ende. Sie wollten rennen, spielen und entdecken. Die Papas mussten wirklich rund um die Uhr für ihre Kinder da sein.

Natürlich gab es auch Tränen und schwierige Momente. Die Kinder waren zweieinhalb Jahre alt, mitten in der Trotzphase. Aber die Papas haben das unglaublich gut gemacht.


Emil und Karl Banff Tour 2026

Wie lief die Sichtung und der Schnitt des Materials ab?

Wir hatten zwei Kameras, sechs Drehtage und rund 80 Stunden Tonmaterial. Insgesamt waren es etwa vier Terabyte Material. Ich habe zusammen mit meinem Kollegen Malte Heines zwei Monate lang gesichtet.

Am Ende hatten wir etwa eineinhalb Stunden brauchbares Rohmaterial. Daraus musste dann der finale Film geschnitten werden. Das war die größte Herausforderung, weil es so viele tolle, witzige und emotionale Momente gab, die es nicht in den Film geschafft haben, weil sie nicht in die Story passten.

Wie lang ist der Film am Ende geworden?

Es gibt zwei Versionen. Eine längere Version mit etwas über 30 Minuten und eine kürzere Fassung mit knapp 22 Minuten, die auf der BANFF World Tour gezeigt wird.

Emil und Karl Banff Tour 2026

Wie habt ihr es auf die BANFF Tour 2026 geschafft?

Wir haben den Film bei verschiedenen Festivals eingereicht. Die BANFF hat uns dann kontaktiert und gesagt, dass sie den Film gerne zeigen würden. Für die World Tour musste er allerdings noch etwas kürzer werden, damit er ins Programm passt. Also haben wir ihn nochmal gestrafft.

Wie wurden die Familien in den Prozess eingebunden?

Ich habe versucht, sie regelmäßig zu updaten. Besonders bei sensiblen Szenen mit den Kindern haben wir die Eltern selbstverständlich vorher gefragt. Das war uns sehr wichtig.

Emil und Karl Banff Tour 2026

Wie finanziert man so ein Projekt?

Wir hatten mit Alpina und Vaude Partner, die uns mit Equipment und etwas Budget unterstützt haben. Damit konnten wir die Reisekosten decken.

Aber von dem Geld allein könnte man so einen Film nicht produzieren. Da steckt unglaublich viel Herzblut drin. Meine Arbeit, die des Kameramanns, die Musik von Johannes Wimmer, der alle Songs selbst komponiert hat, das ist alles sehr viel Leidenschaft und Freundschaft.

Warum habt ihr euch für die Schweiz entschieden?

Wir haben lange über das Ziel diskutiert. Aus Filmemacher Sicht wollte ich ein klares Ziel, zum Beispiel den Gardasee. Die Eltern wollten aber eine Rundtour, weil das logistisch einfacher ist mit Kindern, Anhängern und Kamerateam.

Am Ende haben sie sich durchgesetzt und wir sind einen Rundkurs im Engadin gefahren, mit einem kurzen Abstecher nach Livigno.

Emil und Karl Banff Tour 2026

Würdest du nochmal ein Projekt mit Kindern machen?

Ja, definitiv. Aber man muss sich von seinem ursprünglichen Plan verabschieden. Mit Kindern gibt es keinen Platz für Wiederholungen oder zusätzliche Ideen. Man muss nehmen, was passiert.

Gerade dieser improvisierte Ansatz war im Nachhinein Gold wert. Der Blick der Kinder auf die Natur, diese kleinen Entdeckungen, das ist etwas, das wir Erwachsenen oft verloren haben.

Was ist die Botschaft des Films?

Der Film soll motivieren. Er soll zeigen, dass man kein extremes Abenteuer braucht, um etwas Besonderes zu erleben. Man kann einfach losfahren, von zu Hause aus, für einen Tag oder ein paar Tage.

Es geht darum, die Welt wieder mit offenen Augen zu sehen und den Respekt für Natur und Umgebung zurückzugewinnen. Gerade der Blick aus Kinderaugen kann uns Erwachsenen dabei unglaublich viel geben.

Emil und Karl Banff Tour 2026

Gibt es schon Ideen für ein Folgeprojekt?

Die Idee kam tatsächlich schon auf. Vielleicht eine Tour mit den Müttern und den jüngeren Geschwistern von Emil und Karl. Das wäre dann eigentlich schon die nächste logische Fortsetzung.

Dann viel Erfolg und Danke für das nette Gespräch.

Emil und Karl Banff Tour 2026

Fazit nach der BANFF Tour Premiere in München:

Mit Emil und Karl ist Holger Wimmer ein Film gelungen, der lange nachwirkt. Nicht nur wegen spektakulärer Bilder oder sportlicher Höchstleistungen, sondern wegen seiner Ehrlichkeit und Nähe. Der Film zeigt, dass Abenteuer nicht größer werden müssen, um bedeutungsvoll zu sein. Oft reicht es, das Tempo zu drosseln und die Perspektive zu wechseln.

Gerade der Blick der Kinder macht deutlich, wie viel Magie in den kleinen Momenten steckt. Im Stehenbleiben, im Staunen, im gemeinsamen Unterwegssein. Emil und Karl erinnert daran, warum wir überhaupt rausgehen, warum wir Berge, Bewegung und Natur lieben und warum es sich lohnt, all das auch mit der nächsten Generation zu teilen.

Dass der Film nun im Rahmen der BANFF Tour 2026 weltweit gezeigt wird, unterstreicht seine universelle Botschaft. Es ist eine Geschichte über Familie, Vertrauen und das Loslassen von Erwartungen. Und vielleicht auch eine Einladung an uns alle, wieder öfter einfach loszufahren. Ohne Leistungsdruck, ohne großes Ziel. Aber mit offenen Augen.

Emil und Karl Banff Tour 2026

Alle Termine & Tickets zur Banff Tour 2026 gibt es hier:


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