Die Tour de France Femmes gilt heute als Meilenstein für den Frauenradsport. Doch was viele Fans nicht wissen: Schon in den 1980er-Jahren gab es eine Tour de France für Frauen. Zwischen 1984 und 1989 kämpften einige der besten Rennfahrerinnen der Welt um das Gelbe Trikot, oft vor denselben Zuschauermassen wie die Männer.
Der Film Breakaway Femmes, der auf der Bike Film Tour gezeigt wird, erzählt genau diese fast vergessene Geschichte. Ehemalige Fahrerinnen erinnern sich an ihre Rennen, an legendäre Duelle, aber auch an die strukturellen Probleme und Vorurteile, mit denen sie damals konfrontiert waren.

Eine der Protagonistinnen des Films ist Alessandra Cappellotto. Die Italienerin wurde 1997 Weltmeisterin im Straßenrennen und gewann im Laufe ihrer Karriere mehrere internationale Titel. Heute engagiert sie sich stark für den Frauenradsport und ist unter anderem Mitgründerin der Cyclistes Professionnels Associés Women (CPA Women), der internationalen Fahrerinnen-Vereinigung.
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Bei der Premiere der Bike Film Tour haben wir mit ihr über den Film, ihre Erfahrungen im Profisport und die Zukunft des Frauenradsports gesprochen.
Alessandra, der Film erinnert an eine Zeit, die viele Fans gar nicht mehr kennen. Wie wichtig ist diese Geschichte für dich?
Für mich ist die Tour de France ein wichtiger Teil meiner Geschichte. Sie war ein Ausgangspunkt meiner Karriere und hat gezeigt, dass Frauen genauso stark und ausdauernd sein können wie Männer.
Viele glauben heute, dass die Tour de France für Frauen erst 2022 entstanden ist. Aber das stimmt nicht. Schon in den 1980er-Jahren gab es diese Rennen. Der Unterschied ist, dass damals viel weniger darüber gesprochen wurde und vieles später einfach in Vergessenheit geraten ist.
Wie lief die Frauen-Tour damals ab?
Es war tatsächlich ein ziemlich interessantes Format. Die Frauenrennen wurden oft im Anschluss an die Männeretappen gefahren. Wir starteten meistens auf denselben Strecken und hatten dieselbe Ziellinie.
Die Etappen waren etwas kürzer, etwa 70, 80 oder manchmal 100 Kilometer , aber die Atmosphäre war unglaublich. Die Zuschauer standen ja bereits wegen der Männer an der Strecke und blieben dann auch für uns. Für uns Fahrerinnen war das etwas Besonderes, weil wir vor sehr vielen Menschen fahren konnten.


