Share

The Last Dive

Interviews

Regisseur Cody Sheehy über seinen Film „The Last Dive“

Ein 80-jähriger Mann, ein Mantarochen, eine Freundschaft - und der Wunsch nach einem letzten Wiedersehen

„The Last Dive“ ist eine Dokumentation, die so unwahrscheinlich klingt, dass man sie erst glauben kann, wenn man sie sieht: Ein Mann, ein Mantarochen – und eine Freundschaft, die fast zwei Jahrzehnte hält. Wir haben Regisseur Cody Sheehy im Rahmen der International Ocean Filmtour zum Interview getroffen.

Hey Cody. Stell dich doch kurz mal vor: Wer bist du, und was machst du?

 Ich bin Cody Sheehy und der Regisseur von „The Last Dive“. Ich komme aus den USA, lebe aber sechs Monate im Jahr mit meiner Familie (meiner Frau und meinem vierjährigen Sohn) auf einem Segelboot in Mexiko. Dort habe ich auch die Geschichte für den Film „The Last Dive“ auch gefunden.

Wie bist du zum Filmemachen gekommen?

Das war ein langer Weg. Ich mochte Storytelling schon immer. Im College habe ich mit Freunden kleine Filme für einen lokalen TV-Sender gedreht. Gleichzeitig habe ich Naturwissenschaften studiert, später einen Master in Ökologie gemacht – und dachte lange, ich werde Ökologe wie mein Vater.

Aber selbst in der Wissenschaft habe ich immer gefilmt: Ich habe kleine Videos gemacht, um Forschung zu erzählen. Später führte das zu Beiträgen für PBS in den USA. Das hat mir Türen geöffnet – und über die Jahre ist daraus mein Weg als Filmemacher geworden.

Wovon handelt „The Last Dive“?

„The Last Dive“ erzählt die außergewöhnliche Geschichte eines Mannes und eines riesigen Mantarochens mit über sechs Metern Spannweite. Über 19 Jahre hinweg entwickelt Terry Kennedy eine besondere Freundschaft mit diesem Mantarochen, den er Willy tauft. Die Begegnung verändert sein Leben grundlegend: Terry, der unter anderem als ehemaliger Hell’s-Angels-Biker eine bewegte und schwierige Vergangenheit hat, wird zu einem engagierten Beschützer der Mantarochen.

International Ocean Film Tour Volume 12
Foto: The Last Dive

Wie hast du Terry und seine Geschichte genau gefunden?

Ich war auf meinem Segelboot in Baja (Mexiko) vor Anker, in einem abgelegenen Spot. Dann kam ein anderes Boot rein, es hieß Manta. Terry ankerte neben uns, und wir wurden Freunde. Er ist ein lustiger Typ, ein großartiger Taucher. Ich bin dann oft mit ihm tauchen gegangen.

Und die ganze Zeit erzählte er von Willy, diesem riesigen Mantarochen. Ehrlich: Es ist eine Geschichte, die man sehen muss, um sie zu glauben. Der Wendepunkt kam, als Terry eines Tages eine Kiste hervorholte, die seit Jahrzehnten auf seinem Boot stand. Da waren alte Tapes drin, einige funktionierten noch. Er zeigte mir Aufnahmen von sich und Willy seit den frühen 1980ern. Und plötzlich war klar: Alles, was er erzählt hatte, stimmt. Da habe ich realisiert: Hier liegt eine unglaubliche Dokumentation – fertig in Rohform.

Wie hat Terry das damals überhaupt gefilmt – lange vor GoPros?

Damals filmte fast niemand. Unter Wasser war es noch schwieriger. Terry hatte eine dieser großen frühen Unterwasserkameras. Ich habe ihn gefragt, warum er damit überhaupt angefangen hat. Er sagte: ‚Ich habe den Leuten erzählt, was mir unter Wasser passiert ist, und niemand hat mir geglaubt. Also musste ich filmen, um zu zeigen, dass es wahr ist.‘

Außerdem ist Terry stark von Jacques Cousteau inspiriert gewesen: Er wollte dieses Leben, Unterwasserfilme machen, auf Expeditionen gehen, diese Welt zeigen.

The Last Dive

Wie hat Terry reagiert, als du vorgeschlagen hast, daraus einen Film zu machen?

Er war grundsätzlich dabei, aber ich glaube, er konnte es sich nicht vorstellen. Erst als wir wirklich mit Kameras auftauchten, ein großes Boot organisierten und eine Expedition zur abgelegenen Vulkaninsel San Benedicto im Pazifik planten, wurde ihm klar: Das wird ernst.

Du hast Terry den Film das erste Mal bei der Premiere in einem vollen Kino gezeigt, warum?

Wir haben bei Tribeca in New York Premiere gefeiert. In einem wunderschönen Theater, mit vielen Menschen. Das war Absicht. Die Geschichte ist extrem persönlich. Ich wollte nicht, dass Terry allein auf der Couch mit einem Laptop sitzt und das alles durchlebt. Ich wollte, dass nach dem Abspann Menschen klatschen, weinen, ihn umarmen, und er sofort spürt: Sein Leben hat Bedeutung.

Wie war seine Reaktion im Kino?

Ich saß hinter ihm. Er hat bei vielen Stellen geweint. Und er liebt den Film. Ich glaube, der ganze Prozess war für ihn auch wie Therapie, sein Leben zu sortieren, die Teile zusammenzusetzen, zu verstehen.


The Last Dive

Schön! Was waren die größten Schwierigkeiten beim Dreh?

Erstens: Genehmigungen. Die Insel ist heute ein streng regulierter Marinepark, auch wegen Terrys Arbeit. Das war ein großer logistischer Brocken mit Behörden in Mexiko.

Und dann: Unterwasser drehen ist eine Welt für sich. Du kannst mit Team und Protagonist nicht einfach sprechen. Wir hatten ein Schreibboard, um Hinweise zu geben. Dazu Strömungen, und ständig große Haie in der Nähe.

Und Terry ist beim ersten Tauchgang einfach verschwunden. Er liebt Tauchen, er ist extrem gut, und plötzlich war er weg und hat sein eigenes Ding gemacht. Da mussten wir ihn wirklich hinsetzen und sagen: ‚Terry, das ist jetzt anders als normal. Du musst beim Plan bleiben, sonst bekommen wir keinen Film hin.‘ Das war eine Lernkurve, aber am Ende hat alles funktioniert.

Was ist das Hauptthema von „The Last Dive“ für dich?

Wir wollten zeigen, wie es ist, wenn jemand am Ende seines Lebens steht und damit ringt, wenn man Abschied nimmt von Dingen, die man nicht mehr tun kann. Oder von Freunden, die man vielleicht nie wieder sieht. Terry hat Willy seit über zehn Jahren nicht gesehen: Er ist heute 80 Jahre alt. Die Reise zur Insel ist lang und gefährlich, er konnte sie irgendwann nicht mehr machen. Deshalb wollten wir ihn für einen letzten Tauchgang dorthin bringen.

The Last Dive

Gab es einen Moment, der für dich den emotionalen Kern des Films definiert?

Für mich war das, als ich das Material von einem Massaker durch Fischer an Mantarochen gesehen habe. Das hat mich wirklich getroffen. Im Kontext von Terrys Biografie, einer schwierigen Vergangenheit, Schuld und Wandel, bekommt die Geschichte eine runde Form: Willy hat Terry verändert. In vielerlei Hinsicht gerettet.

Der Film handelt aber nicht primär von Überfischung. Der Ton ist: Freundschaft. Es ist eine Freundschaftsgeschichte. Die meiste Zeit hat der Film eine sanfte, heilende Stimmung. Er bringt dich auf eine magische Insel. Es ist fast wie Eskapismus, in eine Welt vor Handys.

Was ist die wichtigste Message?

Freundschaft. Und Erlösung. Terry ist ein unerwarteter Naturschützer, du würdest nicht denken, dass ein Ex-Hell’s-Angels-Biker Mantarochen schützt. Aber es ist erstaunlich, was passiert, wenn man jemandem eine zweite Chance gibt.

Und dann die Tiere selbst: Mantarochen sind einzigartig. Sie sind selbstbewusst, hochintelligent, extrem neugierig und emotional. Und jeder, der Zeit mit ihnen verbringt, wird verändert. Wir müssen erkennen, was für besondere Wesen das sind, und alles tun, damit sie auch für die nächste Generation da sind.

Was liebst du am Filmemachen?

Ich bin sehr neugierig. Filmemachen erlaubt mir, hundert Prozent in ein Thema einzutauchen, alles zu lernen, eine Welt zu erleben. Und wenn die Neugier ein Stück weit gestillt ist, kann ich das zu einer Geschichte verdichten und weitergeben. Dann kommt das nächste Thema. Es ist ein endloser Brunnen von Erkundung.

Wo können wir deinen Film sehen?

Jetzt läuft er auf der Ocean Filmtour. Später im Frühling soll er ins Kino kommen und anschließend auf Streaming-Plattformen laufen.

Geschäftsbedingungen

Gib bitte deine Email Adresse an, damit wir dich mit News, Updates und den neuesten Angeboten versorgen können. Falls du nicht mehr interessiert bist, kannst du dich jederzeit abmelden. Wir geben deine Daten nicht an Dritte weiter und werden dir nur Nachrichten schicken, die dich auch interessieren. Versprochen!

Read our full Privacy Policy as well as Terms & Conditions.

production