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International Ocean Film Tour Volume 12

Interviews

„Home is the Ocean“: Familie Schwörer über 26 Jahre Expeditionsleben auf einem Segelboot

„Du musst die Natur berühren, sonst wirst du sie nie lieben“

Ein Segelboot als Zuhause, der Ozean als Lebensmittelpunkt, die Berge als zweite Heimat: Seit mehr als 26 Jahren leben Sabine und Dario Schwörer ein Leben, das für die meisten unvorstellbar klingt. Mit ihrem Schiff bereisen sie die entlegensten Regionen der Erde, erkunden Polarlandschaften, besteigen Berge, und ziehen dabei ihre sechs Kinder auf nur 20 Quadratmetern groß.

Ihr Film „Home is the Ocean“, der auf der International Ocean Film Tour Vol. 12 zu sehen ist, begleitet die Schweizer Familie über sieben Jahre und zeigt ein Leben zwischen Abenteuer, Forschung und alternativer Bildung. Wir haben mit Sabine und Dario Schwörer darüber gesprochen, was es heißt, Freiheit als Familie zu leben, Kinder fernab klassischer Strukturen großzuziehen, und warum sie trotz Klimakrise vor allem eines weitergeben wollen: Hoffnung statt Untergangsstimmung.

Hey ihr Zwei. Vor 26 Jahren habt ihr die Segel gesetzt und eure Mission „Top to Top“ gestartet. Worum ging es dabei genau?

Dario: Unsere Idee von Top to Top war, alle Klimazonen unseres Planeten miteinander zu verbinden, von den Ozeanen bis zu den höchsten Gipfeln. Dafür sind wir mit unserem Segelboot um die Welt gereist und haben die höchsten Berge aller sieben Kontinente bestiegen, komplett ohne Motor, nur mit Wind-, Muskel- und Segelkraft. Wir wollten zeigen, dass große Expeditionen auch im Einklang mit der Natur möglich sind und auf Klimaschutz aufmerksam machen.

Während dieser Mission sind eure sechs Kinder geboren. Welche Werte wolltet ihr euren Kindern durch ein Leben auf einem Segelboot mitgeben?

Sabine: Kinder zu erziehen ist schwierig, es gibt keine Anleitung. Uns war wichtig, dass wir offen miteinander sprechen können und dass unsere Kinder jederzeit zu uns kommen können, egal worum es geht. Ich hoffe außerdem, dass sie gelernt haben, anderen Menschen und Kulturen mit offenem Herzen zu begegnen. Erst zuhören, verstehen, und dann handeln.

Dario: Unser zu Hause ist das Schiff, aber auch das Zelt. Wasser ist unser Element: Pulverschnee im Gesicht, Gischt beim Surfen auf der Haut. Ein zentraler Wert ist auch Respekt vor der Natur. Unsere Kinder haben früh gelernt, dass man mit wenig auskommen kann. Auf Expeditionen kann man nicht alles mitnehmen, sonst sinkt das Schiff oder das Fahrrad wird zu schwer. Wir nennen das „Living Light“. Man hat nur das, was man wirklich braucht. Das fühlt sich unglaublich frei an, und es ist auch gut für unseren Planeten.


Home is the Ocean

Was machen eure Kinder heute?

Sabine: Unsere Kinder gehen inzwischen alle ihren eigenen Weg, bleiben der Natur und dem Abenteuer aber sehr verbunden. Unser Sohn Noé, der in Darwin in Australien geboren wurde, hat mit 16 schon sein eigenes Segelboot restauriert und führt unser Arctic-Projekt zwischen Grönland und Spitzbergen weiter.

Unsere Tochter Salina war Tauchlehrerin auf den Azoren und arbeitet derzeit als Skilehrerin in Engelberg. Sie war außerdem dreimal Schweizer Meisterin im Skitourenlauf.

Allegra ist ebenfalls im Skibergsteigen aktiv, besucht eine Sportschule in Norwegen und wurde schon zweimal Schweizer Meisterin. Zwei unserer jüngeren Kinder leben noch mit uns an Bord unseres Segelboots und wachsen weiterhin mitten in der Natur und auf Expeditionen auf.

Gab es Momente auf euren Expeditionen, die euch besonders erschüttert haben?

Sabine: Ja. Als wir ganz im Norden an der Packeisgrenze auf 82 Grad Nord waren und dort Mikroplastikproben genommen haben. Selbst dort haben wir große Mengen Mikroplastik gefunden. Das war wirklich traurig.

Dario: Diese Region ist so etwas wie die „Gebärmutter“ unseres Planeten. Im Sommer explodiert dort die Biomasse, deshalb kommen auch so viele Zugvögel dorthin. Wenn man dann sieht, wie das Packeis jedes Jahr schrumpft, wird einem klar, wie ernst die Lage ist. Jedes Jahr verschwindet eine Fläche Sommer-Packeis etwa so groß wie Bayern.


International Ocean Film Tour Volume 12

Traurig! Gab es auch besonders schöne Momente?

Sabine: Viele. Einer der unglaublichsten Momente für mich war eine Nacht mitten auf dem Atlantik, als der Himmel komplett von grünem Polarlicht erleuchtet war. Solche Momente sind Geschenke der Natur.

Dario: Und wenn man sie mit anderen teilen kann, werden sie noch stärker. Am Ende sind es nicht nur die Orte, die zählen, sondern auch die Menschen, die man unterwegs trifft.

Was habt ihr auf euren Abenteuern über das Reisen gelernt?

Dario: Ein wichtiger Gedanke ist der Kompass. Wenn der Kurs stimmt, ist es egal, wie groß die Schritte sind.

Und noch etwas: Wenn man langsamer unterwegs ist, erlebt man mehr. Wenn du nach New York fliegst, hast du vielleicht ein lustiges Erlebnis mit der Stewardess oder so. Wenn du dorthin segelst, erlebst du zwanzig Sonnenaufgänge, Wale, Sternenhimmel… Am Ende zählen nicht Sekunden, sondern Momente.

Home is the Ocean

Wenn ihr auf eure Expeditionen als Familie zurückschaut, würdet ihr heute etwas anders machen?

Dario: Ja. Wir würden nicht mehr unbedingt auf die höchsten Berge der Kontinente gehen. Dort treffen sich oft Menschen, denen es nur darum geht, Gipfel abzuhaken. Kultur oder Umwelt interessieren sie wenig. Heute würden wir lieber die schönsten Berge besteigen, nicht die höchsten.

Ihr engagiert euch stark für Umweltbildung. Wie kam es dazu?

Dario: Nach vielen Jahren Expeditionen wurde uns klar: Der entscheidende Punkt ist nicht nur Forschung oder Abenteuer, sondern Inspiration. Darum haben wir unser Motto entwickelt: „Explore – Inspire – Act“. Wir wollen Menschen zuerst für die Natur begeistern, sie dann inspirieren und schließlich motivieren, selbst aktiv zu werden.

Wenn du nur National Geographic oder Animal Planet schaust, ist das wie, wenn du deinen Freund nie umarmst.

Du musst in die Natur gehen und sie berühren, sie muss dein Partner werden, dann liebst du sie und dann setzt du dich auf für sie ein.

Heute arbeiten wir mit Schulen weltweit zusammen. In über 100 Ländern haben wir bereits mehr als 200.000 Schülerinnen und Schüler erreicht. Wir organisieren zum Beispiel Projekte, bei denen Kinder Umweltaktionen durchführen, etwa Clean-ups. Die Schüler schicken uns dann Videos oder Berichte über ihre Aktionen.

Alle vier Jahre laden wir besonders engagierte Teilnehmer:innen aus verschiedenen Kontinenten auf unser Schiff ein. Sie werden zu sogenannten „Ambassadors“ und tragen die Ideen weiter.


Home is the Ocean

Wie blickt ihr in die Zukunft, in Bezug auf den Klimawandel?

Dario: Ich werde jedes Jahr optimistischer, was die Zukunft angeht, weil wir Schulen zusammenbringen. In Polynesien haben sie Meeresspiegelanstieg, in Grönland Probleme mit dem Packeis. Und die Schüler arbeiten zusammen an konstruktiven Lösungen. Das bildet Freundschaften über Grenzen hinweg. Das ist große Hoffnung.

Was bedeutet Freiheit für euch?

Dario: Freiheit war für mich schon als Kind wichtig. Deshalb wollte ich Bergführer werden, mit diesem Beruf kann man überall auf der Welt arbeiten. Heute merken wir allerdings, dass die Bürokratie weltweit stärker geworden ist. Früher konnten wir einfach lossegeln, nach Island oder Grönland. Heute müssen wir unsere Position oft melden. Trotzdem bleibt das Gefühl wichtig, Teil der Natur zu sein.

Was ist die Botschaft eures Films ‚Home Is the Ocean‘?

Sabine: Der Film zeigt unser Familienleben auf dem Schiff, aber eigentlich geht es um viel mehr: um Umweltschutz, Bildung, Segeln, Familie. Er soll Menschen inspirieren, über ihr eigenes Leben nachzudenken.

Dario: Viele Leute sagen uns: „Das würde ich auch gern einmal machen.“ Wir hoffen, dass der Film ihnen zeigt: Es ist möglich, sogar mit Kindern. Man muss nur den ersten Schritt wagen.

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