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A different Beast

Interviews

„A different Beast“: Drei Brüder über 139 Tage und 14.480 Kilometer Pazifiküberquerung im Ruderboot

„Wir sind nicht besonders, wir teilen nur große Dinge in kleine Teile auf“ - A different Beast

Ewan, Jamie und Lachlan McLean (die „McLean Brothers“) haben den Pazifik in Rekordzeit überquert, non-stop, ohne Unterstützung – und per Ruderboot. Von Peru nach Australien, 14.480 Kilometer, 139 Tagen auf See, dazu ein klarer Zweck: Spenden sammeln für Projekte, die Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglichen.

Wir haben die drei Schotten auf der Premiere der Ocean Filmtour Vol. 12 zu ihrem Film „A different Beast“ gesprochen. Außerdem ging es um Rituale gegen den Wahnsinn, und warum es so einen Unterschied macht, dass sie nicht nur für einen Rekordversuch, sondern vor allem für sauberes Wasser ruderten.

A different Beast

Hey ihr! Ihr habt den Pazifik non-stop und ohne Unterstützung überquert. Wie kommt man auf so eine Idee?

Die McLean-Brüder: Vor fünf Jahren sind wir zu dritt über den Atlantik gerudert, das war unsere erste große gemeinsame Challenge. Auch da haben wir Spenden gesammelt und gemerkt, wie stark diese Kombination ist: etwas zu tun, das uns erfüllt, und gleichzeitig etwas zu bewirken, das einen positiven Einfluss auf das Leben anderer Menschen hat.

Danach haben wir die McLean Foundation gegründet. Und irgendwann war klar: Wenn wir Spenden sammeln wollen, dann über eine große Herausforderung. Der Pazifik war groß genug, um Menschen zu bewegen, unser Ziel war eine Million Pfund für Clean-Water-Projekte.

Rudern ist ja nicht gerade der typische Einstieg in den Abenteuersport. Wie seid ihr überhaupt dazu gekommen?

Die McLean-Brüder: Eigentlich hatten wir keinen Ruder-Background. Wir sind im äußersten Nordwesten Schottlands aufgewachsen. Wenn du von dort nach Westen schaust, kommt irgendwann Amerika. Diese Idee, losmachen, Richtung Westen, ins große Blau, war irgendwie ein Kindheitstraum. Und wir dachten: Rudern wirkt für uns realistischer als Segeln, weil wir keine Profisegler sind. Das hat sich dann über Jahre weiterentwickelt.

International Ocean Film Tour Volume 12

Wie bereitet man sich auf Monate in einer extrem repetitiven Bewegung vor, ohne kaputtzugehen?

Die McLean-Brüder: Das Training war ein eigenes Leben. Rudermaschine fünf bis sechs Tage pro Woche, 45 Minuten bis zwei Stunden pro Tag. Dazu Kraft, Mobility, Verletzungsprävention: vier bis fünf Tage pro Woche im Gym. In Spitzenwochen kamen wir auf 40 Trainingsstunden.

Das Programm stammt von Claire Lanthier aus Chamonix, einer Spezialistin für Biomechanik und Verletzungsprävention. Wir hatten unglaubliches Glück. Sie arbeitet sonst mit Top-Organisationen und -Teams, wie z.B. der NASA und Paris Saint-Germain zusammen. Sie hat uns so vorbereitet, dass wir am Ende nicht nur heil ankamen, sondern körperlich sogar besser dastanden, als wir erwartet hätten.

Mental – wie trainiert man für so einen Trip?

Die McLean-Brüder: Körperliches Training ist auch mentale Vorbereitung, weil du lernst, viele Stunden Bewegung zu ertragen. Dazu haben wir sehr konkret mit Ängsten gearbeitet, wie eine Art Expositionstraining. Boot in kontrollierter Umgebung kentern lassen. Alarm nachts stellen, aufstehen, „Schicht“ simulieren, wieder schlafen. Dinge spürbar machen, damit sie später nicht wie ein Schock wirken.

Habt ihr euer Boot selbst gebaut?

Die McLean-Brüder: „Selbst gebaut“ wäre übertrieben, aber wir waren beim Bau eng involviert. Uns war klar: Als Team brauchst du viel mehr Nahrung, und auch Schlafraum. Genau daran sind Teams vorher gescheitert. Wir haben mit dem niederländischen Bootsbauer und Ozeanruderer Mark Slatz gearbeitet und wollten das Boot wirklich in- und auswendig kennen, damit wir notfalls auf See reparieren können.


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Wie war eure Erwartung an den Trip im Vergleich zur Realität?

Die McLean-Brüder: Der Pazifik ist dreimal so lang wie der Atlantik, aber gefühlt sechs Mal so hart. In der ersten Hälfte hatten wir viel seitliche See: Du bekommst keinen sauberen Ruderschlag hin, bist ständig schief, schlägst dir die Knie an, bist die ganze Zeit nass. Das Salzwasser macht Hautprobleme. Und im letzten Drittel hatten wir sehr raues Wetter, viel früher als wir erwartet hätten. Da hängst du auch mal am Para-Anker, das ist wie ein Unterwasser-Fallschirm, der das Boot stabilisiert. Aber in hoher See ist das unangenehm und reißt dich aus dem Rhythmus.

Der Atlantik ist in gewisser Weise „gnädig“. Du könntest die Ruder fallen lassen, und würdest irgendwie drüben ankommen. Auf dem Pazifik: keine Chance. Da brauchst du viel mehr den eigenen Antrieb.

Gab es einen Moment, der euch wirklich gebrochen hat, oder kurz davor war?

Die McLean-Brüder: Ja. Wir hatten auf dem Weg Richtung Australien eine Prognose: noch 16 Tage. Nach 105 Tagen auf See klingt das machbar, fast greifbar. Wir haben darüber gesprochen, Familien informiert, Leute planten schon Reisen. Dann zog ein Wettersystem weiter nördlich als erwartet. Wir mussten die Route ändern, Schutz bei Inseln suchen, und innerhalb von 12 Stunden wurde aus 16 Tagen eine neue Vorhersage: sechs Wochen.

Wir haben die Erwartungen zu früh zu groß gemacht. Das war ein Fehler. Und doch: Genau dort, nahe an Inseln und Riffen, wurde die Natur zur Belohnung. Landschaften, Wildlife, so schön wie kaum etwas anderes auf der gesamten Überfahrt. Das war ein Tiefpunkt, mit einer unerwarteten Schönheit.

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Was war euer tägliches Highlight?

Die McLean-Brüder: Essen war riesig. Die ersten 80 bis 90 Tage hatten wir jeden Tag um 11 Uhr Pasta, das war ein Fixpunkt. Danach war sie weg, und wir hatten noch rund 50 Tage. Das war hart. Dazu kamen bewusst gesetzte Rituale: Morgens ein Kaffee, als Zeichen: Nacht geschafft. Abends Musik. Wir hatten eine Playlist, die wir oft bei Sonnenuntergang gehört haben, aber nicht vorher. Wenn du Musik gezielt einsetzt, ist sie stärker.

Und dann das Belohnungssystem: Alle 1.000 Meilen gab’s eine frische Tüte Kaffee aus der AeroPress und eine Tony’s-Schokolade. Hinter dieser Idee steckt eine Strategie: Nicht auf 10.000 Meilen starren, sondern in Häppchen denken, 1.000, 500, 250, 100. Oder noch kleiner: Komm erstmal durch diese Schicht.

Drei Brüder, vier Monate, engster Raum, ging das die ganze Zeit gut?

Die McLean-Brüder: Erstaunlicherweise ja. Klar, mal eine hitzige Diskussion, manchmal um Essen, wer wovon wie viel hatte. Aber du kannst dir nicht leisten, Dinge schwelen zu lassen. Wenn dich etwas stört, musst du es sofort ansprechen. Sonst wird aus Reibung ein Problem, das das Team auseinanderreißt. Wir haben schon lange eine sehr gute Beziehung!

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Was hat euch auf diesem Abenteuer überrascht?

Die McLean-Brüder: Es gab ständig diese kleinen Seevögeln, die uns über tausende Meilen begleiteten: Sie tauchten oft auf, wenn ein Sturm kam, winzig, weit weg von Land, und sie „laufen“ in kurzen Schritten über die Wasseroberfläche.

Mindestens ebenso überraschend war für uns das Ergebnis der körperlichen Tests: Wir haben DEXA-Scans vor und nach der Reise gemacht. Wir haben Fett verloren und Muskeln aufgebaut. Niemand war verletzt. Das widerspricht vielen Erfahrungen aus Atlantiküberquerungen, bei denen Teams häufig deutlich an Gewicht verlieren.

Habt ihr sehr proteinreich gegessen?

Die McLean-Brüder: Unsere Mahlzeiten waren überwiegend Currys und Eintöpfe. Alles selbstgekocht und gefriergetrocknet: Lamm, Huhn, aber auch vegetarisch. Auf See ist das anders als an Land: Du hast kaum echte Erholungsphasen. Du tankst und verbrennst. Zu viel Protein bringt nichts, wichtiger sind Kalorien. Wir haben viel Nüsse und Erdnussbutter gegessen. Wenn wir härter und länger rudern mussten, kam automatisch mehr Hunger.

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Wie fühlt sich Ankommen an?

Die McLean-Brüder: Überwältigend. Fast traumartig, als wäre die Welt plötzlich lauter, intensiver. Du stellst dir diesen Moment so lange vor. Gleichzeitig ist da dieser Widerspruch: Du willst ankommen, aber du weißt: Sobald du von Bord gehst, ist es vorbei. Ein Teil von dir vermisst die Reise sofort.

Was ist eure größte Stärke?

Die McLean-Brüder: Wir sind nicht genial. Wir sind eher chaotisch. Aber wir umgeben uns mit Menschen, die richtig gut sind. Wir sind durchschnittliche Puppen, mit sehr guten Puppenspielern (lacht).

Was ist euer wichtigster Rat für so große Projekte?

Die McLean-Brüder: Habt keine Angst, überhaupt anzufangen. Und teilt das Große in kleine Teile. Außerdem braucht ihr ein Team, das zusammenpasst. Und ein ehrliches „Warum“! Dass wir nicht nur für einen Rekord gerudert sind, sondern vor allem für Spenden, hat den Unterschied gemacht.

Mehr Infos zur Ocean Filmtour gibt es HIER!

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